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Innertürkischer Konflikt : Brandanschläge auf zwei Moscheen

Anschlag auf Moschee: eine Folge des innertürkischen Konflikts? Bild: dpa

In Berlin und Baden-Württemberg sind zwei Moscheen Ziel von Brandanschlägen geworden. Dies könnte eine Folge des Konflikts zwischen der türkischen Regierung und der kurdischen Minderheit sein.

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          In Berlin und in Baden-Württemberg gab es am Wochenende Brandanschläge auf Moscheen, die politisch motiviert sein sollen. Im Berliner Bezirk Reinickendorf kam es in der Nacht zum Sonntag zu einer Brandstiftung in der Koca-Sinan-Camii-Moschee, die zum türkischen Ditib-Verband gehört. Zeugen hörten gegen zwei Uhr nachts ein Klirren, sahen einen Feuerschein und dann drei Jugendliche davonrennen, teilte eine Polizeisprecherin dieser Zeitung mit. Man gehe von einer politisch motivierten Tat aus, der polizeiliche Staatsschutz ermittelt. 60 Feuerwehrleute löschten den Brand. Die meisten Räumlichkeiten der Moschee seien nicht mehr nutzbar, teilte die Gemeinde mit.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.
          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Schon in den frühen Morgenstunden des Freitags hatte sich in der württembergischen Weinbaugemeinde Lauffen (Landkreis Heilbronn) ein Brandanschlag auf ein Moscheegebäude der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs ereignet. Gegen zwei Uhr nachts sollen unbekannte Täter drei Molotowcocktails in die Unterrichtsräume der Moschee geworfen haben. Über diesen Räumen schlief der Imam der Gemeinde. Der Brand konnte gelöscht werden, es entstand ein Sachschaden von mindestens 5000 Euro. Das baden-württembergische Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermitteln gegen die mutmaßlichen Täter wegen versuchten Mordes.

          „Wir können einen rechtsradikalen Hintergrund mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent ausschließen, das heißt, dass wir in alle Richtungen weiter ermitteln“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart am Sonntag. Milli Görüs wird vom Landesverfassungsschutz beobachtet. Der türkische Generalkonsul in Stuttgart, Ahmet Akinci, sagte bei einem Besuch des Tatorts, er sei „traurig“, in Deutschland eine solche Situation zu erleben. Nach Informationen dieser Zeitung ist es wahrscheinlich, dass der Anschlag vor dem Hintergrund des innertürkischen Konflikts zwischen der islamistischen AKP und der kurdischen Minderheit gesehen werden muss.

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