https://www.faz.net/-gpf-o6zw

Bonn : König-Fahd-Akademie darf unter Auflagen weitermachen

  • Aktualisiert am

Entscheidung unter diplomatischem Druck Bild: dpa/dpaweb

Die als Hort für Islamisten geltende König-Fahd-Akademie in Bonn wird doch nicht geschlossen. Dies sei „die letzte Chance“ für die Schule, sagte der Kölner Regierungspräsident Roters.

          Die umstrittene König-Fahd-Akademie in Bonn wird nicht geschlossen und kann unter Auflagen den Schulbetrieb mit einem saudi-arabischen Lehrplan fortsetzen. Der Kölner Regierungspräsident Jürgen Roters sagte am Dienstag, in letzter Minute sei eine Lösung gefunden worden: „Die Mißstände an der Schule werden abgestellt.“

          Für extremistische und verfassungsfeindliche Aktivitäten an der König-Fahd-Akademie und ihrem Umfeld dürfe es keinen Platz geben, sagte Roters in Köln. Die Befreiung von der Schulpflicht an einer deutschen Regelschule werde für alle 465 Schüler überprüft. Für 211 Schüler und Schülerinnen mit deutschem Paß müßten hierbei besonders strenge Maßstäbe angelegt werden, fügte eine Sprecherin der Behörde hinzu. Möglicherweise werde die Schule daher am Ende der Prüfung deutlich weniger Schüler haben.

          Deutsch-arabisches Komitee

          „Für die Stadt Bonn gilt: Deutsche Kinder werden im Regelfall in deutschen Schulen unterrichtet", stellte hierzu Bonns Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) fest. Regierungspräsident Roters sagte, in letzter Minute seien im Gespräch mit der saudi-arabischen Botschaft eine Lösung gefunden und ein Maßnahmenkatalog vereinbart worden. Dies sei „die letzte Chance“ für die Akademie. Die Entscheidung fiel Roters zufolge auch unter diplomatischem Druck.

          Das Regierungspräsidium als Schulaufsichtsbehörde werde die vereinbarten Maßnahmen kritisch begleiten. Dazu soll ein deutsch-arabisches Komitee gebildet werden, in dem Vertreter der Botschaft, der Schulaufsicht, der Bezirksregierung, der Stadt Bonn und die Schulleitung selbst vertreten sein werden. Die Akademie soll sich künftig allein auf ihren schulischen Auftrag beschränken, sagte Roters weiter.

          Keine außerschulischen Veranstaltungen

          Der Schulleiter habe die Auflage, ab sofort keinerlei außerschulische Veranstaltungen mehr an der Akademie zuzulassen. Personen, die im Verdacht stehen, Kontakt zu terroristischen oder extremistischen Organisationen zu haben, erhielten keinen Zutritt mehr. Lehrer, die zu Gewalt aufriefen oder aggressiven Fundamentalismus verbreiteten, werde der Schulträger von der Schule abziehen.

          Der Regierungspräsident gestand aber ein, daß die Schule weiter nach dem saudi-arabischen Lehrplan unterrichten könne. Es werde jedoch eine deutsch-arabische Konferenz eingesetzt, die den Lehrplan und den Stundenplan kritisch durchleuchten werde. Ein Vertreter der Bonner Polizei begrüßte die Entscheidung des Regierungspräsidiums. Sie werde zur Entspannung der Lage beitragen. Zugleich lasse dadurch die Sogwirkung auf fundamentalistische Kräfte nach. Roters betonte jedoch, Polizei und Verfassungsschutz würden das Umfeld der Akademie weiter beobachten.

          Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte bei seiner jüngsten Reise nach Saudi-Arabien die Bonner Akademie angesprochen und eine Lösung des Problems in Aussicht gestellt. Vor der Entscheidung Roters hatte Bundesinnenminister Otto Schily in London gesagt, es gebe Hinweise, daß an der Schule islamistische Propaganda verbreitet werde. Die Akademie müsse deshalb möglicherweise geschlossen werden. Sollte es mit Billigung der Schulleitung Aufrufe zum „Heiligen Krieg“ gegeben haben, werde er das nicht dulden.

          Weitere Themen

          Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus Video-Seite öffnen

          Künftige Justizministerin : Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus

          Der „unfassbare Mord“ an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zeige, dass die Verteidigung des Rechtsstaates aktueller denn je sei, sagte die SPD-Politikerin Christine Lambrecht, die von der Parteiführung als kommende Justizministerin vorgestellt wurde.

          Der Kampf gegen die Braunkohle Video-Seite öffnen

          Aktivisten von „Ende Gelände“ : Der Kampf gegen die Braunkohle

          Im rheinischen Braunkohlerevier stehen die Zeichen dieser Tage auf Protest. Aktivisten der Initiative „Ende Gelände“ haben zu verschiedenen Protestaktionen aufgerufen. Nun hat sich auch die Schülerbewegung „Fridays for Future“ mit „Ende Gelände“ solidarisiert.

          Topmeldungen

          Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister.

          Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

          Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.
          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.