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Bombenanschläge : Riad: 34 Menschen bei Selbstmordanschlägen getötet

  • Aktualisiert am

Spurensuche in Riad Bild: AP

Bei den Selbstmordanschlägen in der saudiarabischen Hauptstadt Riad sind nach neuesten Angaben der dortigen Regierung 34 Menschen getötet worden. Ein Großteil der amerikanischen Diplomaten wird Saudi-Arabien verlassen.

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          Bei den Selbstmordanschlägen in der saudiarabischen Hauptstadt Riad sind nach neuesten Angaben der dortigen Regierung 34 Menschen getötet worden. Unter den Toten waren unter anderen sieben US-Bürger, ein Brite und eine Irin, wie die staatliche Nachrichtenagentur Spa am Mittwoch unter Berufung auf das Innenministerium in Riad meldete. Bislang hatte die saudiarabische Regierung von mindestens 29 Todesopfern gesprochen, unter ihnen neun Attentäter. Das US-Außenministerium hatte zuletzt erklärt, eine Zahl von 40 bis 50 Toten sei „möglich“.

          Saudi-Arabien machte eine im Land bekannte Gruppe von 19 Al-Qaida-Mitgliedern für die Attentate verantwortlich. Nach amerikanischen Angaben wurde die Suche nach etwaigen Überlebenden unter den Gebäudetrümmern der drei attackierten Wohnanlagen für westliche Ausländer inzwischen eingestellt. Nach Angaben des Washingtoner Außenministeriums befanden sich unter den Todesopfern acht Amerikaner, 17 weitere lagen noch in Krankenhäusern. Das Außenministerium in London teilte am Mittwoch mit, daß zwei britische Staatsbürger noch vermißt würden. Ob diese zu den 34 Toten hinzugerechnet waren, blieb vorerst unklar. 15 Briten seien bei den Anschlägen leicht verletzt worden, hieß es weiter. Insgesamt erlitten fast 200 Menschen Verletzungen.

          Nach den Bombenanschlägen mit Dutzenden Toten und Verletzten in Riad zieht Amerika den größten Teil ihrer Diplomaten aus Saudi-Arabien ab. Das Außenministerium in Washington forderte am Dienstagabend alle Mitarbeiter der dortigen Vertretungen, die nicht unbedingt im Land bleiben müssen, ihre Familienangehörigen und alle anderen Amerikaner auf, Saudi-Arabien zu verlassen. Experten der Bundespolizei FBI wurden derweil nach Riad entsandt, um bei den Ermittlungen zu helfen. In einem Telefonat sicherte der amerikanische Präsident Geroge W. Bush dem saudischen Kronprinzen Abdullah Ibn Abdelasis seine Unterstützung beim Kampf gegen den Terrorismus zu.

          Grund für den Abzug der Diplomaten seien die Terroranschläge gegen Wohnanlagen westlicher Ausländer in Riad, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Bei der Serie von Selbstmordanschlägen auf drei Ausländer-Siedlungen in der saudischen Hauptstadt waren in der Nacht zum Dienstag möglicherweise über 90 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl nannte der amerikanische Vize-Präsident Richard Cheney. Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums sagte allerdings dazu, man könne diese Zahl derzeit nicht bestätigen. Ein Mitarbeiter des saudischen Innenministeriums hatte zuvor von 34 Toten und 194 Verletzten gesprochen. Unter den Toten sollen auch 9 Attentäter sein.

          Bush: Krieg gegen Terror geht weiter

          Bush kündigte an, die Hintermänner der Anschläge zu fassen und zu bestrafen. Die Täter würden gefunden und zur Rechenschaft gezogen, erklärte Bush bei einem Vortrag in Indianapolis im amerikanischen Bundesstaat Indiana. „Diese rücksichtslosen Anschläge erinnern uns daran, dass der Krieg gegen den Terror weitergeht“, sagte der Präsident.

          Der saudische Kronprinz verurteilte die Anschläge aufs Schärfste. Die Täter und ihre Hintermänner seien nach islamischer Auffassung Sünder, sagte er am Dienstagabend in einer im staatlichen Fernsehen übertragenen Rede an die Einwohner des Königreichs. „Diese Ereignisse können aber nicht die Stabilität dieser Gesellschaft gefährden“, fügte er hinzu. Die gesamte Gesellschaft Saudi-Arabiens werde sich nun gegen die Terroristen richten.

          Bush betont freundschaftliche Beziehungen

          Der Kronprinz habe Bush in dem Telefonat seinerseits versichert, „daß das Königreich diejenigen, die seine die Sicherheit und Stabilität gefährdeten, nicht davonkommen lassen werde“. Bush habe in dem Telefonat außerdem die engen freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten betont, hieß es.

          Arabische Beobachter erklärten anschließend, der Kronprinz habe in seiner Rede indirekt die Anhänger der radikalen islamistischen Strömungen im Königreich angesprochen und ihnen klar gemacht, dass die Führung keine Gnade mehr mit Vertretern extremistischer Gruppierungen zeigen werde.

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