https://www.faz.net/aktuell/politik/bomben-explosion-in-istanbul-mit-toten-und-verletzten-14273603.html

Türkei : Mindestens elf Tote bei Bombenanschlag in Istanbul

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Mitten im morgendlichen Berufsverkehr ist im Zentrum von Istanbul eine Bombe explodiert. Mindestens elf Menschen wurden getötet, darunter sieben Polizisten. Präsident Recep Tayyip Erdogan verdächtigt die PKK.

          2 Min.

          Die türkische Metropole Istanbul ist am Dienstag einmal mehr von einem tödlichen Bombenattentat erschüttert worden: Bei der Explosion einer ferngezündeten Autobombe starben elf Menschen, unter ihnen sieben Polizisten, mehr als 30 weitere Menschen wurden verletzt. Von den Tätern fehlte zunächst jede Spur, Staatschef Recep Tayyip Erdogan machte die kurdische PKK verantwortlich. Deutschland, Frankreich und die Vereinigten Staaten verurteilten die Attacke.

          Die Bombe explodierte nach Angaben des Gouverneurs von Istanbul in den frühen Morgenstunden, als ein Bus mit Bereitschaftspolizisten vorbeifuhr. Sie war gegenüber eines bei Touristen beliebten Hotels in der Nähe der U-Bahnstation Vezneciler platziert, von der aus zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie der Große Basar und die Süleymaniye-Moschee schnell zu erreichen sind. Die Station Vezneciler wurde zunächst geschlossen.

          Ein Rettungssanitäter mit einer Trage am Anschlagsort. Bilderstrecke
          Ein Rettungssanitäter mit einer Trage am Anschlagsort. :

          Durch die Wucht der Explosion blieben von dem angegriffenen Polizeibus nur noch Trümmer übrig. Auch parkende Autos wurden beschädigt, Schaufenster umliegender Häuser zersplitterten. Die Sehzade Moschee, ein Gotteshaus aus dem 16. Jahrhundert, wurde ebenfalls beschädigt. Über Lautsprecher an umliegenden Moscheen wurden die Menschen aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Anschließend wurde ein verdächtiges Fahrzeug kontrolliert gesprengt.

          Offiziell bekannte sich zu dem Angriff am zweiten Tag des muslimischen Fastenmonats Ramadan zunächst niemand. Erdogan machte umgehend die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verantwortlich: Es sei „nichts Neues“, dass „die Terrororganisation“ ihre Anschläge in großen Städten verübe, sagte Erdogan nach einem Besuch von Verletzten in einem Krankenhaus mit Blick auf die PKK.

          „Dieser Anschlag ist unverzeihlich“, sagte Erdogan weiter. Er kündigte an, den „Kampf gegen den Terrorismus bis zum Ende“ fortzusetzen, „bis zur Apokalypse“. Die türkische Armee geht im Südosten des Landes seit einigen Monaten mit aller Härte gegen PKK-Kämpfer und ihre Sympathisanten vor. Medienberichten zufolge bombardierten türkische Kampfflugzeuge erst am Montagabend im Nordirak erneut Stellungen der PKK.

          Seit Jahresbeginn wurden in Istanbul und Ankara mehrere tödliche Anschläge verübt, die der Miliz „Islamischer Staat“ (IS) oder militanten Kurden zugerechnet wurden. So waren am 12. Januar bei einem Selbstmordanschlag im historischen Zentrum von Istanbul zwölf Deutsche getötet worden. Mehrere westliche Länder mahnten ihre Bürger in der Türkei zur Vorsicht und schlossen wegen der Anschlagsgefahr vorübergehend diplomatische Einrichtungen.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich „sehr entsetzt“ über den Anschlag. „Nichts kann solche Anschläge rechtfertigen und nichts diese Grausamkeiten entschuldigen“, sagte sie in Berlin. Deutschland stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite der Türkei.

          Das Auswärtige Amt riet Reisenden nach Istanbul, aber auch in andere türkische Städte zu besonderer Vorsicht. Dies gelte vor allem für öffentliche Plätze, touristische Attraktionen und Menschenansammlungen, hieß es. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von einem „terroristischen Verbrechen“ und erklärte, es sei „erschütternd“, dass die Türkei abermals um Tote und Verletzte trauern müsse.

          Frankreichs Präsident François Hollande verurteilte das „abscheuliche terroristische Attentat“ ebenfalls. Sämtliche Formen des Terrorismus müssten entschieden bekämpft werden, erklärte er. Der amerikanische Botschafter in Ankara, John Bass, sprach von „sinnloser Gewalt“, auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zeigte sich erschüttert.

          Weitere Themen

          Faeser warnt vor Anschlägen auf Gasterminals

          Energiekrise : Faeser warnt vor Anschlägen auf Gasterminals

          Die Bundesinnenministerin fürchtet Anschläge im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Energiepolitik. Auch über die Lage in Afghanistan äußert sie sich – und gibt den dort verbliebenen Ortskräften ein Versprechen.

          Topmeldungen

          Mehr Wasser, weniger Ertrag: Im Rhinluch in Brandenburg werden neue Ideen für die Bewirtschaftung nasser Moorböden erprobt.

          Klimaschutz : Es werde Moor

          Die deutschen Moore könnten riesige Mengen Treibhausgase speichern – wenn man sie wieder unter Wasser setzt. Dann können dort aber keine Kühe mehr weiden. Wovon sollen die Bauern künftig leben?

          Verspätungen der Bahn : Warum kommt die Bahn so oft zu spät?

          Die Deutsche Bahn hat große Ambitionen. Doch derzeit ist die Lage so desaströs wie selten zuvor. Das liegt an politischen Fehlern und einem hochkomplexen System. Wenn nicht jedes Rädchen ins andere greift, spüren es Kunden sofort. Eine Reise zu denen, die diese Rädchen bedienen.
          Die Aktivisten der „Letzten Generation“ kleben sich auf der Straße fest. Ihr Protest ruft vor allem Unverständnis hervor.

          Klimaaktivismus : Moment der Radikalen

          Dass mehr getan werden muss, um die Klimakrise auszubremsen, haben Umweltaktivisten als Erste erkannt. Weil zu wenig passiert, werden sie immer radikaler. Doch dieser Weg führt in eine Sackgasse.
          Zwei sowjetische Panzer vom Typ T-34 stehen neben dem Zugang zum Sowjetischen Ehrenmahl in Berlin.

          Russisches Geschichtsbild : Befreier und Erlöser

          Das Geschichtsbild der russischen Regierung hat keinen faktischen Kern und keine Moral. Was zählt, sind territoriale Expansion und die Konsolidierung der Macht. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.