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Türkei : Mindestens elf Tote bei Bombenanschlag in Istanbul

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Mitten im morgendlichen Berufsverkehr ist im Zentrum von Istanbul eine Bombe explodiert. Mindestens elf Menschen wurden getötet, darunter sieben Polizisten. Präsident Recep Tayyip Erdogan verdächtigt die PKK.

          Die türkische Metropole Istanbul ist am Dienstag einmal mehr von einem tödlichen Bombenattentat erschüttert worden: Bei der Explosion einer ferngezündeten Autobombe starben elf Menschen, unter ihnen sieben Polizisten, mehr als 30 weitere Menschen wurden verletzt. Von den Tätern fehlte zunächst jede Spur, Staatschef Recep Tayyip Erdogan machte die kurdische PKK verantwortlich. Deutschland, Frankreich und die Vereinigten Staaten verurteilten die Attacke.

          Die Bombe explodierte nach Angaben des Gouverneurs von Istanbul in den frühen Morgenstunden, als ein Bus mit Bereitschaftspolizisten vorbeifuhr. Sie war gegenüber eines bei Touristen beliebten Hotels in der Nähe der U-Bahnstation Vezneciler platziert, von der aus zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie der Große Basar und die Süleymaniye-Moschee schnell zu erreichen sind. Die Station Vezneciler wurde zunächst geschlossen.

          Ein Rettungssanitäter mit einer Trage am Anschlagsort. Bilderstrecke

          Durch die Wucht der Explosion blieben von dem angegriffenen Polizeibus nur noch Trümmer übrig. Auch parkende Autos wurden beschädigt, Schaufenster umliegender Häuser zersplitterten. Die Sehzade Moschee, ein Gotteshaus aus dem 16. Jahrhundert, wurde ebenfalls beschädigt. Über Lautsprecher an umliegenden Moscheen wurden die Menschen aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Anschließend wurde ein verdächtiges Fahrzeug kontrolliert gesprengt.

          Offiziell bekannte sich zu dem Angriff am zweiten Tag des muslimischen Fastenmonats Ramadan zunächst niemand. Erdogan machte umgehend die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verantwortlich: Es sei „nichts Neues“, dass „die Terrororganisation“ ihre Anschläge in großen Städten verübe, sagte Erdogan nach einem Besuch von Verletzten in einem Krankenhaus mit Blick auf die PKK.

          „Dieser Anschlag ist unverzeihlich“, sagte Erdogan weiter. Er kündigte an, den „Kampf gegen den Terrorismus bis zum Ende“ fortzusetzen, „bis zur Apokalypse“. Die türkische Armee geht im Südosten des Landes seit einigen Monaten mit aller Härte gegen PKK-Kämpfer und ihre Sympathisanten vor. Medienberichten zufolge bombardierten türkische Kampfflugzeuge erst am Montagabend im Nordirak erneut Stellungen der PKK.

          Seit Jahresbeginn wurden in Istanbul und Ankara mehrere tödliche Anschläge verübt, die der Miliz „Islamischer Staat“ (IS) oder militanten Kurden zugerechnet wurden. So waren am 12. Januar bei einem Selbstmordanschlag im historischen Zentrum von Istanbul zwölf Deutsche getötet worden. Mehrere westliche Länder mahnten ihre Bürger in der Türkei zur Vorsicht und schlossen wegen der Anschlagsgefahr vorübergehend diplomatische Einrichtungen.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich „sehr entsetzt“ über den Anschlag. „Nichts kann solche Anschläge rechtfertigen und nichts diese Grausamkeiten entschuldigen“, sagte sie in Berlin. Deutschland stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite der Türkei.

          Das Auswärtige Amt riet Reisenden nach Istanbul, aber auch in andere türkische Städte zu besonderer Vorsicht. Dies gelte vor allem für öffentliche Plätze, touristische Attraktionen und Menschenansammlungen, hieß es. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von einem „terroristischen Verbrechen“ und erklärte, es sei „erschütternd“, dass die Türkei abermals um Tote und Verletzte trauern müsse.

          Frankreichs Präsident François Hollande verurteilte das „abscheuliche terroristische Attentat“ ebenfalls. Sämtliche Formen des Terrorismus müssten entschieden bekämpft werden, erklärte er. Der amerikanische Botschafter in Ankara, John Bass, sprach von „sinnloser Gewalt“, auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zeigte sich erschüttert.

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