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Bologna : Einheit von Lehr- und Lernfrustration

  • -Aktualisiert am

Spät, aber geräuschvoll: Die Studenten wehren sich und bleiben dabei in der Regel gewaltfrei Bild: ddp

Für den einzelnen Wissenschaftler zahlt sich in der Bologna-Universität vor allem die Bereitschaft zur Unterordnung aus. Jetzt formieren sich die Studierenden zum Protest. Endlich! Ein Gastbeitrag des Rechtswissenschaftlers Peter-Alexis Albrecht.

          5 Min.

          Die Studierenden formieren sich zum Protest. Endlich! Ich spreche nur aus der Sicht der Rechtswissenschaft, aber die reale Anschauung bildet sich aus eigener Erfahrung, und die ist für die Geisteswissenschaften insgesamt miserabel. Die Umstrukturierung der Studiengänge nach Bologna steht über kurz oder lang auch bei den Juristen ins Haus, was zumindest Chancen für eine überfällige Reform der Juristenausbildung eröffnet. Das ist drängend, denn das strukturelle Mängelprofil der Lehre wird seit langem beklagt. Wir verlassen die Lehrformen des 19. Jahrhunderts kaum, tendieren höchstens zum Schlechteren.

          Vierhundert Studierende pro Semester sollen im traditionellen Frontalunterricht wissenschaftlichen Zugang zum Recht erleben. Ein Unding. Gab es früher als Ausweg aus diesem „Vorlesungsleid“ noch die Abstimmung mit den Füßen, zwingen heute Zwischenprüfungen, Credit-Point-Systeme und frühe Examensverlockungen zum Korsett des zwanghaften Schnellstudiums. Die Stoffvermittlung würde ohnehin besser über Speicherfestplatten als über die Köpfe wissbegieriger junger Menschen ablaufen. Als Lernmodell ist Stoffanhäufung inadäquat. Dabei liegen die Versäumnisse auf der Hand, ohne dass Studienanfänger sie sofort erkennen können. Studentischer Zorn ist aber ein warnender Indikator für die jämmerliche Vermittlung von Wissensbergen, die Reflexion über und im Recht gar nicht erst ermöglichen. Was gilt es zu ändern?

          Es geht um fundierte Grundlagenausbildung

          Ein Neuanfang in der Juristenausbildung ist angesichts der europäischen Einigungsentwicklung dringlich. Dabei geht es um eine Reform der wissenschaftlichen Lehre, die keine Berufsausbildung im Sinne bloßer Anwendungstechnik sein soll und darf. Es geht um fundierte Grundlagenausbildung, um das interdisziplinäre Erfassen gesellschaftlicher Gesamtbezüge der juristischen Professionen und um kritische Reflexionsfähigkeit, und das alles in einem europäischen Kontext. Eine Herkulesaufgabe.

          Europäische Rechtsentwicklung, die in Prozesse ökonomischer Entwicklung eingebettet ist, wird zunehmend undurchschaubarer, informeller, fragmentarischer, ungleicher und zugleich transnational verflochtener. Menschenwürde und Freiheit - jenen vorrechtlich erkämpften Postulaten gesellschaftlicher europäischer Entwicklung - droht dabei dauerhafter Verfall, primär im Strafrecht und bei der inneren Sicherheit. Die Gesellschaft schuldet sich schon deshalb die enorme Anstrengung einer wissenschaftlichen Ausbildung ihrer künftigen Funktionsträger. Nur durch Aufklärung kann die Gesellschaft ihre Unmündigkeit und ihre sozialen Verwerfungen überwinden.

          Ein ausbildungsbegleitendes „Studium generale“ ist erforderlich

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