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Bolivien : Papst bittet Indigene um Vergebung

Boliviens Präsident Evo Morales setzt dem Papst einen Sombrero auf. Das Wort „Tahuichi“ bedeutet in der Sprache Tupi-Guarani „Großer Vogel“. Bild: Reuters

„Im Namen Gottes sind viele schwere Sünden gegen die Ureinwohner Amerikas begangen worden“, sagt der Papst in Bolivien. Den Kapitalismus kritisiert er in drastischen Worten.

          Papst Franziskus hat die Ureinwohner Amerikas um Vergebung für Verbrechen gebeten, die die katholische Kirche an ihnen begangen habe. In einer Ansprache in der bolivianischen Metropole Santa Cruz de la Sierra sagte er am Donnerstagabend vor dem zweiten Weltkongress der Volksbewegungen: „Im Namen Gottes sind viele schwere Sünden gegen die Ureinwohner Amerikas begangen worden.“ Er bitte um Vergebung „nicht nur für die Sünden der Kirche selbst, sondern auch für die Verbrechen gegen die indigenen Völker während der sogenannten Eroberung Amerikas“, sagte der Papst.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Franziskus bekräftigte zudem seine Forderung nach einem Wandel der kapitalistischen Weltordnung. Das gegenwärtige System sei weder für landlose Bauern noch für Arbeiter, weder für indigene Gemeinschaften noch für die Mehrheitsbevölkerungen in den Staaten Lateinamerikas noch auch für die Erde selbst länger zu ertragen. Der Papst prangerte „neue Formen des Kolonialismus“ an, wonach die armen Länder von den Industrienationen zu „bloßen Rohstofflieferanten und Zulieferern kostengünstiger Arbeit“ herabgewürdigt würden. Das erzeuge eine Gewalt, „die weder mit polizeilichen noch mit militärischen oder geheimdienstlichen Mitteln eingedämmt werden“ könne. Franziskus prangerte in diesem Zusammenhang auch einige „sogenannte Freihandelsabkommen“ sowie von den internationalen Finanzinstitutionen auferlegten Sparprogramme an.

          Am Freitag besuchte der Papst die Gefängnissiedlung von Palmasola in Santa Cruz de la Sierra. In dem überfüllten Gefängnis, in dem es wegen der katastrophalen Lebensverhältnisse immer wieder zu blutigen Meutereien kommt, leben etwa 4800 Gefangene, viele mit ihren Familien. Anschließend reiste der Papst nach Asunción in Paraguay weiter. Einer der wichtigsten Indigenen-Verbände des Landes kündigte am Freitag einen Boykott des Treffens von Papst Franziskus mit Vertretern der Zivilgesellschaft an. Der Vorsitzende des Verbandes FAPI, Hipolito Acevai, begründete den Schritt mit der fehlenden Möglichkeit, den Papst in einem direkten Gespräch über die schweren Menschenrechtsverletzungen zu unterrichten, denen indigene Völker in Paraguay ausgesetzt seien.

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