https://www.faz.net/-gpf-vc4j

Bolivien : Natürlich sozialistisch

  • Aktualisiert am

Evo Morales Bild:

Kein anderer Präsident in Lateinamerika ist Chávez und Castro treuer als der Bolivianer Evo Morales. Seine „Bewegung zum Sozialismus“ orientiert sich allerdings nicht am Marxismus, sondern an der Basisdemokratie der im Land heimischen Indios.

          1 Min.

          Boliviens Präsident Evo Morales ist der treueste Schüler von Chávez und Castro. Beiden galten seine ersten Besuche nach seinem Amtsantritt. Er brauchte Lehrmeister, weil er im Regieren völlig unerfahren war. Morales bekennt sich, neben seinen Mentoren, in Lateinamerika am deutlichsten zu einem sozialistischen Regierungsmodell. Seine Partei nennt sich „Bewegung zum Sozialismus“ (Mas). Sie beruft sich allerdings weniger auf marxistische Prinzipien als auf die jahrhundertealten basisdemokratischen Praktiken der in Bolivien heimischen Indiogemeinschaften, denen er selbst entstammt.

          Morales sieht seine historische Aufgabe darin, der Indiobevölkerung, die jahrhundertelang von politischer Teilhabe nahezu ausgeschlossen war, zu ihrem Recht zu verhelfen. Zu diesem Zweck will er „den Staat neu gründen“ - wie sein Vorbild Chávez mit Hilfe einer neuen Verfassung. Doch die verfassunggebende Versammlung hat sich in Verfahrensfragen verrannt und tritt seit Monaten auf der Stelle. So ist immer noch nicht zu erkennen, wie das sozialistische Modell aussehen soll.

          Bolivianischer Bolivarismus

          Es dürfte vor allem einem neuen „linken“ Nationalismus und der von Morales schon ins Werk gesetzten massiven Rückverstaatlichung von Betrieben vor allem im Energiesektor Rechnung tragen. Im Erziehungswesen sollen die Sprachen und kulturellen Eigenheiten der Indiogemeinschaften gefördert und der Einfluss der katholischen Kirche zurückgedrängt werden.

          UN-Sicherheitsrat : Bolivien als Kompromißkandidat

          Mit den Ideen weit radikalerer Anführer der sozialen Bewegungen, die einen indigenen Steinzeitkommunismus in Bolivien einführen oder gar das Reich der Inka neu begründen wollen, hat Morales' bolivianischer Bolivarismus allerdings nur wenig zu tun. Er folgt zwar grundsätzlich dem antiamerikanischen Kurs seines Idols Chávez, von dessen Furor ist bei ihm jedoch nichts zu spüren, ja bisweilen schlägt er sogar versöhnliche Töne an.

          Konflikte zeichnen sich bei den Autonomiebestrebungen derjenigen Provinzen ab, die durch Erdöl- und Erdgasvorkommen reich sind und in denen konservative politische Strukturen herrschen. Obwohl Morales, anders als Chávez mit seinem gegen die „Oligarchie“ Venezuelas gerichteten Verhalten, zu Kompromissen bereit ist, könnte es zu einer Polarisierung oder gar einem Bruch zwischen den Morales treu Ergebenen und den Abtrünnigen kommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Weiter keine Einreise für Individualtouristen: Israels Ministerpräsident Naftali Bennett kündigte dies am Dienstag auf einer Pressekonferenz am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv an.

          Delta-Variante verbreitet sich : Geimpfte in Israel neu infiziert

          Israel sorgt sich wegen der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus. Weil auch Geimpfte neu infiziert wurden, nimmt das Land Lockerungen zurück und lässt Individualtouristen vorerst nicht einreisen.

          Alle außer München : Kunterbunte Fußballstadien

          Ein Fest für Beleuchter: Ob Berliner Olympiastadion, Frankfurter Waldstadion oder Kölner, Augsburger und Wolfsburger Erstliga-Arenen: Sie alle erstrahlten stellvertretend für München in Regenbogenfarben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.