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Bodo Uebber : Schrempps neuer Hüter der Finanzen

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Bodo Uebber ist gewiß kein Langweiler, aber emotionaler Überschwang ist ihm gleichfalls fremd. "Man muß abwarten", sagt er vorsichtig zum laufenden Betrieb des Maut-Systems Toll Collect, das im zweiten Anlauf reibungslos in Gang kam.

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          Bodo Uebber ist gewiß kein Langweiler, aber emotionaler Überschwang ist ihm gleichfalls fremd. "Man muß abwarten", sagt er vorsichtig zum laufenden Betrieb des Maut-Systems Toll Collect, das im zweiten Anlauf reibungslos in Gang kam. Er selbst hatte zuvor die Blamage des ersten Versuchs hautnah erlebt. Im Februar 2004 war Uebber Vorstandsvorsitzender der Daimler-Chrysler Services AG. Obwohl noch sein Vorgänger Klaus Mangold die Verträge mit der Bundesregierung geschlossen hatte, trug er zu jener Zeit die Hauptverantwortung in der Auseinandersetzung mit der Bundesregierung nach deren Vertragskündigung.

          Heute zählt der 45 Jahre alte Manager diese Auseinandersetzungen neben der Geschichte um das gescheiterte Flugzeug Dornier 328 und das Sanierungsprogramm "Dolores" der damaligen Daimler-Luft- und Raumfahrtgesellschaft Dasa zu den prägenden Erlebnissen seiner beruflichen Tätigkeit, aus denen er versucht habe zu lernen. Am 16. Dezember vergangenen Jahres hat Uebber den bisher größten Schritt seiner Karriere gemacht: Als Nachfolger von Manfred Gentz verantwortet er seitdem das Ressort Finanzen und Controlling von Daimler-Chrysler: das sind 150 Milliarden Euro Jahresumsatz, ein Betriebsgewinn von deutlich mehr als 5 Milliarden Euro, rund 12 Milliarden Euro Liquidität und daneben Kreditlinien von 20 Milliarden Euro. Auf der Jahrespressekonferenz des Automobilkonzerns am 10. Februar wird er seinen ersten öffentlichen Auftritt haben.

          Im Gegensatz zu dem distanzierten Gentz, der je länger, desto mehr in die Erscheinung eines unabhängigen "elder statesman" hineinwuchs, verkörpert der passionierte Skifahrer Uebber den sportlichen Typ. Dies nicht nur wegen des Alters: Eine natürliche Bräune, schwarze, nach vorn gekämmte Haare und ein lebhaftes Temperament, bei dem die Sätze sich immer wieder zu überschlagen drohen, unterstreichen seinen Auftritt. Nur die zusammengezogenen Augenbrauen deuten auf Konzentration und wohl auch auf eine gewisse Anspannung hin.

          Uebber, der aus Solingen stammt und im Juli vergangenen Jahres seine Lebenspartnerin heiratete, ist eine Entdeckung von Schrempp. Anfang der neunziger Jahre war der damalige Dasa-Chef auf ihn aufmerksam geworden und hat ihn seitdem gefördert. Das Etikett "unkritischer Gefolgsmann" will er sich deswegen noch lange nicht anheften lassen. Im Daimler-Vorstand, dem er schon seit mehr als einem Jahr angehört, werde kontrovers diskutiert, und er selbst pflege eine "positive Streitkultur" - auch im Freundeskreis.

          Daimler-Chrysler ist im vergangenen Jahr, nicht zuletzt durch die Erholung von Chrysler und die weitere Verbesserung in der Nutzfahrzeug-Sparte, gut vorangekommen. Uebber steht dennoch vor großen Herausforderungen. Toll Collect, der verlustreiche Kleinstwagen Smart, die Qualitätsprobleme bei Mercedes, der Dollar-Kurs und das Rabattunwesen, das auch in Europa immer stärker um sich greift, werden sich im Rechenwerk des Konzerns auswirken. In Europa werden die Rabatte eher noch mehr werden, in den Vereinigten Staaten in einem stagnierenden Markt mindestens auf derselben Höhe bleiben, schätzt Uebber.

          Daimlers neuer Finanzchef stammt aus einer Handwerkerfamilie und ist Diplom-Wirtschaftsingenieur. Es wirkt daher glaubhaft, wenn er von sich sagt, er habe eine "operative und eine technische Ader". Er werde möglichst oft versuchen, auch "vor Ort" zu sein. Immer wieder, auch beim Thema Smart, legt der neue Herr der Zahlen von Daimler dessenungeachtet Wert darauf, daß sich die Dinge betriebswirtschaftlich rechnen müßten. Angesichts der immer volatileren Märkte will Uebber die Reaktionsgeschwindigkeit seines Ressorts erhöhen. Die Währungsabhängigkeit soll durch verstärkte Einkäufe im Dollar-Raum einschließlich China vermindert, die Kostenstruktur durch vermehrte Bezüge aus den EU-Beitrittsländern weiter verbessert werden. Aber Uebber will nicht als Finanz-Magier erscheinen: "Der Erfolg kommt letztlich im operativen Tagesgeschäft", sagt er.

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