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Colonia Dignidad : BND seit Jahrzehnten über „KZ-ähnliche“ Folter informiert

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Beamte der chilenischen Polizei stehen Wache vor der einstigen Sektensiedlung „Colonia Dignidad“. Hier wurden jahrzehntelang Foltermethoden durchgeführt. Bild: Picture-Alliance

Jahrzehntelang kam es in der von Deutschen gegründeten Siedlung zu Folterszenen. Zuletzt sorgte die Anwesenheit eines damaligen Mittäters bei einem Empfang des Bundespräsidenten für einen Eklat.

          1966 will der Bundesnachrichtendienst (BND) erstmals von „KZ-ähnlichen“ Methoden in der von Deutschen gegründeten Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile erfahren haben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion vom Mittwoch hervor. Allerdings will der BND dies nur aus örtlichen Presseberichten erfahren haben. In der Antwort des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Stephan Steinlein, wird zudem eingeräumt, dass die Regierung bis 1987 Menschenrechtsverletzungen ignoriert und sich schützend vor die Colonia Dignidad gestellt habe.

          Unter der autoritären Führung des aus Siegburg ausgewanderten Paul Schäfer war die Colonia Dignidad ab 1961 eine stark gesicherte Siedlung, in der es auch zu systematischem Kindermissbrauch kam. Zudem folterte Chiles Geheimdienst dort während der Diktatur von Augusto Pinochet Oppositionelle. Schäfer wurde 2006 zu einer langen Haftstrafe verurteilt - er starb 2010 im Gefängnis. Die 1991 in „Villa Baviera“ umbenannte Anlage, die heute mit bayerischer Folklore Touristen anlockt, liegt rund 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago.

          Korte: „Kein klarer Bruch“

          Für einen Eklat sorgte jüngst die Anwesenheit des als Mittäter zu einer Bewährungsstrafe verurteilten Reinhard Zeitner beim Empfang für Bundespräsident Joachim Gauck in der Deutschen Botschaft in Chile. Aus Sicht des Linken-Fraktionsvizevorsitzenden Jan Korte ist das ein klarer Beleg für den immer noch nicht erfolgten „konsequenten Bruch mit der Colonia Dignidad und ihrer Nachfolgeorganisation Villa Baviera“. Die Umstände der Einladung müssten aufgeklärt werden „und Konsequenzen haben“. Auch ein weiteres früheres Colonia-Mitglied war dort präsent.

          Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte im April die Akten des Auswärtigen Amtes zu der Sektensiedlung vorzeitig für die Öffentlichkeit freigegeben. Die BND-Rolle ist aber weiterhin unklar. Korte kritisierte eine bisher unzureichende Berücksichtigung der chilenischen Folteropfer. „Wer seit spätestens 1966 von den Verbrechen weiß und sich bis 1987 (...) schützend vor die Täter gestellt hat, hat allen Grund sich zu schämen und zu entschuldigen.“

          Mit Blick auf die Historikerkommission (UHK) zur Untersuchung der Geschichte des BND und seiner Vorläuferorganisationen von 1945 bis 1968 plant die Bundesregierung nicht, den Zeitraum der Untersuchung zu erweitern, um auch das Kapitel Colonia Dignidad und das BND-Wissen darüber untersuchen zu lassen. Auch das Verhältnis zur argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 ist nicht restlos aufgearbeitet. Beim BND gibt es dazu nach Angaben der Bundesregierung noch rund 40 Akten, mit Verschlusssachen verschiedener Geheimhaltungsstufen bis „VS-Geheim“.

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