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BND im Kosovo : Auf dem Rückzug

Bild: reuters

Der Terrorismus-Vorwurf gegen drei BND-Mitarbeiter im Kosovo war nie plausibel. Die Bloßstellung von deutschen Nachrichtendienstlern wird in Berlin das Nachdenken fördern, ob man in Prishtina nicht den falschen Leuten hilft.

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          Die Behörden im Kosovo rücken allmählich von dem Vorwurf ab, drei Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes seien in einen Anschlag auf ein Gebäude der EU-Mission in Prishtina verwickelt. Das Selbstbezichtigungsschreiben, mit dem sich jetzt eine bisher unbekannte Gruppe zu dem Attentat bekennt, kann als Teil des Rückzugs gewertet werden. Der Terrorismus-Vorwurf war nie plausibel.

          Die drei Deutschen hielten sich Stunden nach dem Anschlag in der Nähe des Tatorts auf, weil sie einen Aufklärungsauftrag hatten. Das kann man ihnen kaum vorhalten. Der Anschlag deutet offenbar auf den wachsenden Widerstand kosovo-albanischer Machtinhaber gegen die europäische Präsenz und das Bemühen um den Aufbau eines Rechtsstaates hin.

          Aber auch die Hinterleute dieser politischen Demonstration könnten sich verrechnet haben. Denn die Zurschaustellung von Nachrichtendienstlern des Staates, der das Kosovo mit Soldaten, Diplomaten und Geld auf dem Weg zu Souveränität und Demokratie begleitet, wird in Berlin das Nachdenken fördern, ob man dort nicht den falschen Leuten hilft.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

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