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BND-Chef Gerhard Schindler : Der uneitle Terrorismus-Bekämpfer

Bild: Illustration David Smith

Aufgewachsen ist Schindler im Dorf Kollig in der Eifel. Die Eltern waren Vertriebene, die Mutter stammte aus Bessarabien, der Vater aus Siebenbürgen, er war Arbeiter und wählte die SPD. In Saarbrücken studierte Schindler Jura, er hat seitdem eine Schwäche für das Saarland und dessen Bewohner. Mit 27 Jahren trat er dort in die FDP ein, Vorsitzender des Ortsverbandes war der damalige Bundesinnenminister Werner Maihofer.

Ausschlaggebend für Schindlers Beitritt war der liberale Politiker und Journalist Karl-Hermann Flach, der ihn beeindruckte. Begeisternd war die Saarbrücker FDP mit ihren Rechtsanwälten und Professoren nicht; die waren froh, den Studenten Schindler zum Flugblätterverteilen zu schicken. Später, Ende der achtziger Jahre, gründete Schindler in Nörvenich im Kreis Düren einen FDP-Ortsverband. Die Gemeinde hatte ihm bescheinigt, dass es keinen Kindergartenplatz für seine Tochter gebe. Nach fünf Jahren im Gemeinderat, in dem CDU und SPD für eine Mehrheit auf die zwei FDP-Stimmen angewiesen waren, gab es genug Kindergartenplätze in Nörvenich.

Konsequenter Terrorismus-Bekämpfer

Als BND-Präsident ausgeguckt hat Schindler der Koordinator für Nachrichtendienste im Kanzleramt Günter Heiß. Der CDU-Mann aus Niedersachsen kannte Schindler noch aus dem Hochwasser-Sommer 2002, als Schindler im Innenministerium die Flutopferhilfe zielstrebig und unbürokratisch gemanagt hatte. Doch beinahe hätte die eigene Partei Schindler als Chef des Auslandsdienstes verhindert. Die Benennung des konsequenten Terrorismus-Bekämpfers war der linksliberalen FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ein Greuel, sie hätte wohl lieber ganz auf den Posten für ihre Partei verzichtet.

Parteichef Philipp Rösler soll die Personalie dann abgehakt haben, weil das Kanzleramt klarmachte, dass man keinen anderen FDP-Mann akzeptieren werde. Schindler sieht sich im Grunde weiter als Liberalen; er hat nichts dagegen, wenn eine Frau Kopftuch trägt oder jemand einem mittelalterlichem Glauben frönt, solange er damit nicht andere in ihrem Leben beeinträchtigen will.

Mühen um Entbürokratisierung

Der BND hat viele motivierte und engagierte Mitarbeiter, aber die leiden darunter, dass er überbürokratisiert ist. Um den Kontakt zu einer Quelle anzubahnen, vergehen oft Monate der Prüfung. Bevor operative Mitarbeiter die Genehmigung für eine Aktion bekommen, hat sich das Zeitfenster dafür oft schon wieder geschlossen. In Afghanistan müssen die BND-Mitarbeiter Fahrtenbuch führen, auch wenn es dort keine Privatfahrten gibt - unter Schindler müssen sie es jetzt nur noch einmal im Monat tun. Der neue BND-Chef hat eine Arbeitsgruppe zur Entbürokratisierung eingesetzt - sie hat 200 Vorschläge gemacht.

Im BND gibt es auch viele schwierig zu führende Mitarbeiter, auch eine Tradition der Durchstecherei und Missgunst. Schindler hat das unlängst durch ein anonymes Schreiben erfahren, in dem eine Reihe angeblicher Verfehlungen des neuen Chefs aufgelistet war. An denen war nichts dran, mit Ausnahme der Affäre des Entwicklungsministers Dirk Noiebel (FDP), dessen unverzollter Teppich vom BND per Flugzeug transportiert worden war. Schindler hat darauf verzichtet, die Sicherheitsabteilung seines Hauses auf die Suche nach den Briefschreibern anzusetzen. Geärgert hat ihn die Affäre doch.

Die vielleicht größte Herausforderung für Schindler ist der Umzug des BND in das neue Quartier an der Berliner Chausseestraße, derzeit Deutschlands größte Baustelle mit einer Fläche von 35 Fußballfeldern. Der Umzug hat sich, durch Pannen am Bau, von 2013 auf voraussichtlich Frühjahr 2016 verzögert. Manch motivierte Mitarbeiter, die mit der Perspektive Berlin in Pullach angefangen haben, verlassen nun den BND. Andere wollen nicht aus Pullach weg, wo die Technische Aufklärung mit 1020 Mitarbeitern bleiben wird. Gerade wird die Sozialpunkteordnung verabschiedet, nach der bestimmt wird, wer bleiben darf. Schindler will mit einem besseren BND in Berlins Mitte ankommen.

Deutsches Spionageschiff vor syrischer Küste?

Ein Spionageschiff der deutschen Marine kreuzt nach Zeitungsinformationen vor der syrischen Küste, um Informationen über Truppenbewegungen der Armee von Machthaber Baschar al Assad zu sammeln. Dieses sogenannte Flottendienstboot habe modernste Spionagetechnik des Bundesnachrichtendienstes (BND) an Bord, berichtet die „Bild am Sonntag“. Damit ließen sich Truppenbewegungen bis zu 600 Kilometer tief in Syrien beobachten.

Der BND reiche die gewonnenen Erkenntnisse, etwa über militärische Einsätze der Assad-Armee, an amerikanische und britische Partnerdienste weiter. Von dort aus gelangten auch Informationen an die syrische Befreiungsarmee, hieß es.

Nach Informationen der „BamS“ sind zudem BND-Agenten im türkischen Nato-Stützpunkt in Adana stationiert. Von dort aus hörten sie Telefonate und Funkverkehr aus Syrien ab. Daneben werde der informelle Kontakt zu Quellen im direkten Umfeld des Assad-Regimes gehalten.

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