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BND-Affäre : Der kleine Spion

Hat der BND seine Leute noch unter Kontrolle? Bild: dpa

Der BND-Mitarbeiter war fleißig: Einmal die Woche lieferte Markus den Amerikanern Material. Allen internen Kontrollen hielt er stand. Doch dann machte er einen Fehler. Die Rekonstruktion einer Affäre.

          7 Min.

          Verrat ist das Geschäft der Nachrichtendienste. Um Geheimes zu erfahren, müssen Agenten andere Menschen zum Verrat bewegen. Geld, Druck, Erpressung, aber auch Einfühlungsvermögen und menschliche Zuwendung sind die Mittel dazu. So gehen Staaten, die sich als Gegner betrachten, miteinander um. Verrat unter Freunden ist hingegen tabu. Das glaubten die Deutschen lange. Oder sie taten so, als würden sie es glauben. Wie ein Ehepartner, der weiß, dass er betrogen wird, der aber lieber keinen Beweis dafür haben will. Denn dann müsste er Konsequenzen ziehen. Dieser Selbstbetrug der Deutschen ist nun vorbei.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Das hat mit einem kleinen Beamten des Bundesnachrichtendienstes zu tun. Vor zwölf Tagen haben Ermittler des Bundeskriminalamts seine Wohnung im Großraum München durchsucht. Sie waren überzeugt, dass der Mann für die Russen spionierte. Das wäre nicht ganz ungewöhnlich gewesen. Schaut man sich die Spionageverfahren des Generalbundesanwalts der vergangenen Jahre an, wird klar, wer die Gegner Deutschlands sind: Russland, China, Syrien, Libyen, Nordkorea. Solche Staaten sollen die deutschen Dienste aufklären, möglichst viele Informationen über sie liefern. Man könnte auch sagen: sie ausspionieren. Das ist ihr Auftrag, genau von der Regierung festgelegt. Gegen die Geheimdienste vor allem dieser Staaten müssen sie sich schützen, damit kein Verräter in den eigenen Reihen angeworben wird.

          Kontaktaufnahme per Google-Mail

          Doch der BND-Mitarbeiter bescherte den Ermittlern eine faustdicke Überraschung. Noch während der Hausdurchsuchung schilderte Markus, wie er mit Vornamen heißt, zum Erstaunen der Ermittler: „Ich arbeite seit 2012 für die Amerikaner.“ Die Ermittler glaubten ihren Ohren nicht zu trauen. Markus wurde wegen dringenden Tatverdachts vorläufig festgenommen und nach Karlsruhe zur Bundesanwaltschaft gebracht. In einem nächtlichen Verhör legte er ein umfassendes Geständnis ab, wiederholte es am folgenden Tag vor der Ermittlungsrichterin. Die erließ Haftbefehl.

          Im Jahre 2012, so berichtete der 31 Jahre alte Mann, der beim BND in München-Pullach arbeitete, hatte er der amerikanischen Botschaft in Berlin per Google-Mail seine Dienste angeboten. Ein riskantes Unterfangen, schließlich handelte es sich um Verbündete der Deutschen. Doch die amerikanischen Geheimdienstleute meldeten den Verräter nicht den Partnern vom BND, wie es ihre Pflicht gewesen wäre. Im Gegenteil: Die CIA heuerte den Mann an. Ein amerikanischer Agentenführer traf sich wenige Wochen nach der ersten Kontaktaufnahme mit Markus in Salzburg. Er übergab ihm 10.000 Euro und eine Notfallnummer in New York. Markus nutzte einen präparierten Computer zum geheimen Übermitteln von Daten. Geht man auf diesem Computer auf eine Wetter-App und dort auf den Standort New York, so öffnet sich ein Kryptogramm, mit dem Informationen verschlüsselt versendet werden. Den Computer haben die Ermittler in der Wohnung von Markus gefunden. Gestohlen hat Markus mindestens 218 Dokumente, sie füllen fünf Leitz-Ordner. Viele Dokumente sind als „geheim“ eingestuft, das ist die zweithöchste Geheimhaltungsstufe, danach kommt nur noch „streng geheim“. Auf seiner Arbeitsstelle beim BND, im Stab der Auslandsabteilung, hatte er die Aufgabe, solche Dokumente technisch zu erfassen. So konnte er sie abgreifen und herausschmuggeln. Man fand sie gesammelt auf einem USB-Stick in seiner Wohnung.

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