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: Blutiger Schnitt

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Pascal Kober ist Menschenrechtsexperte der FDP. Als Politiker, sagt er, müsse er abwägen zwischen dem Recht auf Religionsfreiheit und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit. Der Staat gibt der Religionsfreiheit den Vorrang und nimmt sich in seiner Schutzfunktion zurück. Die Folgen der Beschneidung seien als "nicht so gravierend" anzusehen. Und er gibt zu bedenken, welche Folgen ein Verbot der rituellen Beschneidungen für die Knaben hätte. Es käme dann zu einem "Beschneidungstourismus", der die Gefahr mit sich brächte, dass "die Knaben nicht unter optimalen Bedingungen und von medizinisch unzureichend geschulten Personen beschnitten würden".

Der religionspolitische Sprecher der Partei Die Linke, Raju Sharma, ist hingegen nicht bereit, der Gruppe und der kulturellen Tradition Vorrang vor dem Recht des Einzelnen zuzubilligen. Er sieht die rituelle Beschneidung als Körperverletzung. "Es gibt ja das Elternrecht auf religiöse Erziehung des Kindes und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Dieses Recht wird bei der Beschneidung eines unmündigen Knaben verletzt." Die Eltern meinten es sicherlich gut. Aber es werde "einem gesunden Menschen ein gesunder Teil seines Körpers entfernt". Der Sprecher der Arbeitsgruppe Menschenrechte im Bundestag, der SPD-Abgeordnete Christoph Strässer, sagt auch, dass "die Beschneidung von Knaben das Recht auf körperliche Unversehrtheit" verletze. Er unterstellt aber "positive gesundheitliche Auswirkungen der Beschneidung" und ist sich darum sicher, dass die Eltern zum Wohle ihrer Söhne handeln. Eine rein religiös oder kulturell begründete Beschneidung hält er zumindest für "fragwürdig".

Jerzy Montag hält von solchen Abwägungen nichts. Der rechtspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen empfindet es als absurd, dass dieses Thema überhaupt Beachtung findet. Die Beschneidung sei "seit Jahrtausenden eingeübt", werde "nicht ernsthaft hinterfragt" und es geschehe "niemandem ein Unrecht". Deswegen gebe es "also überhaupt keine Notwendigkeit", gesetzliche Regelungen zu finden. Noch nie habe sich ein beschnittener Mann an ihn gewendet, weil ihm Unrecht widerfahren sei.

Diese Männer gibt es aber. Der israelische Filmemacher Ari Libarski zeigt in seinem Dokumentarfilm "Circumcision" etwa einen jungen Mann, der verzweifelt darüber ist, dass er kein normales Geschlechtsleben führen kann, weil ihm als Kind zu viel Haut weggeschnitten wurde. Libarski zeigt auch Eltern, die mit sich hadern, weil sie dem sozialen Druck nachgegeben haben und ihren Neugeborenen haben beschneiden lassen. Urologen und Kinderchirurgen wie Schier können von vielen Fällen berichten, wo der Schnitt schwerwiegende Folgen hatte.

Beschnitten werden aber nicht nur jüdische und muslimische Knaben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass 30 Prozent der Männer weltweit beschnitten sind. Knapp 70 Prozent davon sind Muslime, ein knappes Prozent Juden, und fast 13 Prozent sind diesen Konfessionen nicht zugehörige amerikanische Männer. Die sind zumeist im Neugeborenenalter beschnitten worden, meist ohne Betäubung. In den Vereinigten Staaten, so die WHO, sind demnach 75 Prozent aller Männer beschnitten, und zwar aus hygienischen und gesundheitspräventiven Gründen.

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