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Blockupy in Frankfurt : Demonstrieren und weiterziehen

Kampf um die Absperrung Bild: Frank Röth

Mehrere Hundert Aktivisten der „Blockupy“-Bewegung haben am Freitagmittag am Frankfurter Flughafen gegen die Abschiebepolitik in Deutschland und Europa protestiert. Am Samstag ist ein großer Demonstrationszug in der Innenstadt geplant.

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          Die Wasserwerfer der Polizei drohten nur stumm, aber der Himmel machte Ernst: Im kalten Frankfurter Dauerregen haben rund tausend Menschen am Freitag rund um die Europäische Zentralbank (EZB) gegen die Finanzpolitik der Europäischen Union demonstriert. Die drei Stunden dauernde Aktion war von dem kapitalismuskritischen Bündnis Blockupy als Blockade der Bank angekündigt worden. Damit sollte nach den Worten der Aktivisten die Kritik an Banken und Politik „ins Herz des europäischen Krisenregimes“ getragen werden.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rund 1000 Menschen hatten sich im Morgengrauen vom Blockupy-Camp im Nordwesten Frankfurts auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Nach Angaben des Bündnisses demonstrierten bis zu 3000 Menschen vor der EZB, die Polizei sprach von 1000 Protestierenden. Die Beamten hatten alle Zufahrten zu der Bank mit doppelten Gitterreihen verriegelt.

          Polizisten, Passanten und Blockupy-Demonstranten auf der Frankfurter Zeil.

          An den Absperrungen kam es immer wieder zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizei: Die Aktivisten rüttelten an den Gittern, die Polizei setzte vereinzelt Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Insgesamt blieb der Protest aber weitgehend friedlich.

          Laut Aussagen der Blockupy-Aktivisten kamen während der Blockade keine EZB-Mitarbeiter in die Bank. Die Polizei sprach davon, dass die Zugänge für die Banker frei seien und ließ ab und an Männer in Anzügen durch die Absperrungen. Laut einer EZB-Sprecherin war die Bank die ganz Zeit arbeitsfähig. Wie viele Mitarbeiter in der Zentrale am Willy-Brandt-Platz arbeiteten, wollte sie nicht sagen.

          Nichts fuhr mehr im Frankfurter Bankenviertel

          Während gegen zehn noch immer die letzten Demonstranten an den Absperrgittern vor der EZB rüttelten und über Lautsprecher Sätze wie „Hinter dem Faschismus steht das Kapital“ verkündeten, zog der Großteil der Demonstranten ab in Richtung Innenstadt auf den Paulsplatz, dort hatten die Aktivisten eine Mahnwache angemeldet.

          Gegen  Mittag zogen die Aktivisten weiter zur Deutschen Bank. Laut Polizei versammelten sich dort rund 300 Menschen. Ihr Protest richtete sich vor allem gegen Nahrungsmittelspekulationen. Viele großen Kaufhäuser auf der Einkaufsmeile Zeil schlossen vorsichtshalber die Pforten.

          Die Demonstration am Flughafen zog sich mehrere Stunden hin. Rund 300 Demonstranten versammelten sich vor dem Terminal 1, um gegen die deutsche Asylpolitik zu protestieren. Auf Plakaten betitelten Sie Deutschlands größten Flughafen als „Deportation Airport“. Als sie jedoch gegen halb zwei ins Terminal ziehen wollten, versperrte ihnen die Polizei den Zugang zum Terminal, denn laut Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshof waren im Terminal nur maximal 200 Demonstranten erlaubt. Es kam zu Rangeleien, die Beamten setzten Tränengas ein. Mehr als eine Stunde lang verhandelten die Aktivisten daraufhin mit der Polizei. Dann durften erste Demonstranten ins Terminal.

          Der Weg zum Flughafen war den Aktivisten erschwert worden Alle S-Bahnen von der Innenstadt zum Airport fielen aus.

          Für Samstag ist eine Demonstration mit bis zu 20.000 Teilnehmern durch die Frankfurter Innenstadt angemeldet.

          Zum Blockupy-Bündnis gehören neben Attac und den gewerkschaftlichen Jugendorganisationen auch die Interventionistische Linke und das linke Bündnis „Ums Ganze“.

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