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Jasper von Altenbockum (kum.)

Blockupy : Bis zum nächsten Mal

Ein Polizeieinsatz gegen Demonstranten ist nach Blockupy-Logik offenbar nur dann „verhältnismäßig“, wenn die Zahl der verletzten Polizisten höher ist als die der Demonstranten.

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          Verhältnismäßig geht die Polizei im Einsatz gegen gewaltbereite Demonstranten offenbar nur dann vor, wenn die Zahl der verletzten Polizisten höher ist als die der verletzten Demonstranten. Ist es umgekehrt, hat sie im Kampf um Grundrechte ein Problem, erst recht aber im Kampf um die Lufthoheit. Da herrscht Blockupy-Logik.

          Am Montag konnte man deshalb den Eindruck gewinnen, die Unschuld vom Lande sei am Wochenende nach Frankfurt gekommen, um dort der Raffgier kapitalistischer Verbrecher Einhalt zu gebieten, und sei dann - „Desaster“! - von einem aufziehenden deutschen Polizeistaat daran gehindert, eingekesselt und erniedrigt worden.

          Worauf dieser Eindruck gründet? Der Frankfurter Oberbürgermeister Feldmann (SPD) gab dafür die staatstragende Orientierung: Die Medien geben die Richtung vor! Der Einsatz gegen die „Blockupy“-Demonstranten sei „nach Darstellung der Medien“ und einer „einmütigen Berichterstattung“ unverhältnismäßig gewesen. Noch Fragen?

          Was zählen schon die Schilderungen der Polizei? Was zählt die Erinnerung an den März vor einem Jahr? Damals gab es in Frankfurt aus demselben Anlass „bürgerkriegsähnliche“ Zustände - nach Darstellung der Medien. Die Betroffenheit war groß. Aber nicht sehr lange. So sind die Medien. Bis zum nächsten Mal.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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