https://www.faz.net/-gpf-888dd

BKA-Studie : Viele deutsche IS-Kämpfer waren früher kriminell

  • Aktualisiert am

Salafisten beten in Bonn, unter ihnen ist auch der frühere Berliner Rapper Denis Cuspert (2. von links) Bild: dpa

Die Hälfte der aus Deutschland eingereisten „Dschihadisten“, die in Syrien für die Terrormiliz IS kämpfen, hat eine kriminelle Vergangenheit. Unter ihnen ist ein bekannter Islamist und ehemaliger Rapper.

          1 Min.

          Von den aus Deutschland nach Syrien ausgereisten radikalen Islamisten war fast die Hälfte vorher kriminell. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundeskriminalamtes und des Hessischen Informations- und Kompetenzzentrums gegen Extremismus, aus der die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert.

          Demnach war fast die Hälfte der für die Studie untersuchten 670 Personen, die zur Unterstützung islamistischer Terrormilizen nach Syrien ausgereist sind, zuvor durch Gewalt-, Eigentums- und Drogendelikte aufgefallen. Einige gerieten auch wegen Sexualstraftaten ins Visier der Justiz. 399 Verdächtige besaßen die deutsche Staatsbürgerschaft. 114 mutmaßliche „Dschihadisten“ waren zum Islam konvertiert. Unter den 80 Studenten, die nach Informationen der Fachleute nach Syrien gingen, sind viele Studienabbrecher.

          Der Untersuchung zufolge setzt die Terrormiliz IS deutsche Islamisten auffallend häufig als Selbstmordattentäter im Kampf gegen kurdische Einheiten sowie syrische und irakische Regierungstruppen ein. Von den 670 Ausgereisten seien 234 inzwischen wieder zurück in Deutschland. 23 von ihnen säßen in Haft.

          Vom rappenden Straßenkriminellen zum Dschihadisten

          Ein bekanntes Beispiel für den Weg vom Straßenkriminellen zum Dschihadisten ist der Berliner Denis Cuspert. Als Jugendlicher verkehrte Cuspert im kriminellen Milieu und war Mitglied einer Straßengang. Wegen mehrerer Delikte wurde er bis Mitte 2004 immer wieder inhaftiert, unter anderem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

          Im Gefängnis soll der zuvor als Rapper Deso Dogg bekannte Berliner dann radikalisiert worden sein und nach seiner Konversion den Namen Abu Talha Al Almani angenommen haben. Deutschland hat er nach Erkenntnis der Sicherheitsbehörden im Jahr 2012 in Richtung Ägypten verlassen und soll dann Anfang 2013 weiter nach Syrien gereist sein.

          Vor etwa einem Jahr soll Cuspert dem „Kalifen“ des „Islamischen Staates“ Abu Bakr Al Bagdadi den Treueeid geschworen haben. Seitdem tritt er häufiger in IS-Propagandavideos auf. Laut dem Verfassungsschutz soll Cuspert mittlerweile zum engeren Kreis der IS-Kämpfer rund um Al Bagdadi gehören. Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt wegen Kriegsverbrechen gegen ihn.

          Weitere Themen

          Premierminister Johnson unter massivem Druck

          Downing Street Party : Premierminister Johnson unter massivem Druck

          Während des Corona-Lockdown im Dezember 2020 waren Parties für die Bürger Großbritanniens strengstens verboten. Im Amtssitz des britischen Premiers galten andere Regeln. Dort feierte man munter Weihnachten – mit Getränken, Häppchen und Gesellschaftsspielen.

          Die erste Bundesinnenministerin Video-Seite öffnen

          Nancy Faeser : Die erste Bundesinnenministerin

          Ihr Name ist die große Überraschung auf Olaf Scholz' Kabinettsliste: Die 51-jährige Nancy Faeser, eine bundesweit bislang kaum bekannte SPD-Landespolitikerin aus Hessen, soll als erste Frau an die Spitze des Bundesinnenministeriums treten.

          Topmeldungen

          Altenheim in Bayern: Die Bewohner sollen sich sicher fühlen können. Ist eine Impfpflicht hierfür sinnvoll?

          Neues Infektionsschutzgesetz : „Dann bitte alle impfen“

          Die Spritzenpflicht in Pflege und Kliniken kommt. Die Branche begrüßt das größtenteils, fordert aber, dass auch andere Gruppen mit einbezogen werden: Denn nur so könne man den höchstmöglichen Schutz für alle erreichen.
                        Freundliche Begrüßung für die Kameras: Wladimir Putin und Joe Biden am Dienstag zu Beginn ihres digitalen Gesprächs

          Videogipfel : Putins Linien und Bidens Optionen

          Nach dem Videogipfel der beiden Präsidenten gibt es nur eine knappe amerikanische Erklärung. Sie klingt wie die Statements vor dem Gespräch. Zumindest soll weiter geredet werden.