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Bitte der amerikanischen Regierung : Berlin prüft Aufnahme eines Guantánamo-Häftlings

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Eine Zelle im amerikanischen Gefangenenlager Guantánamo aufgenommen im April 2014 Bild: AFP

Die Bundesregierung will möglicherweise einen weiteren Häftling aus dem amerikanischen Gefangenenlager Guantánamo aufnehmen. Es soll sich um den Marokkaner Younous Chekkouri handeln. Sein früherer Mithäftling Murat Kurnaz hatte sich für ihn eingesetzt.

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          Die Bundesregierung prüft, ob Deutschland einen weiteren Häftling aus dem amerikanischen Gefangenenlager Guantánamo aufnimmt. Eine entsprechende Anfrage der Regierung in Washington erreichte das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium am Dienstag. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte am Mittwoch, vor allem Sicherheitsfragen würden geprüft.

          Die Bitte der Amerikaner werde allerdings nicht Gegenstand der Gespräche sein, die Innenminister Thomas de Maizière (CDU) in der kommenden Woche während seines Amerikabesuchs führe. Deutschland hatte vor vier Jahren zwei ehemalige Häftlinge des Lagers aufgenommen, die in Hamburg und Rheinland-Pfalz leben und sich bislang nicht auffällig verhalten haben. Damals hatte die Prüfung mehr als ein halbes Jahr gedauert.

          Dem Vernehmen nach handelt sich bei dem jetzt in Rede stehenden Fall um den Marokkaner Younous Chekkouri, der seit zwölf Jahren in Guantánamo gefangengehalten wird. Die Amerikaner hatten ihm vorgeworfen, die „Marokkanische Islamische Kämpfergruppe“ in Afghanistan mitgegründet zu haben. Angeblich gilt er den Vereinigten Staaten jedoch schon länger als ungefährlich und soll daher entlassen werden. Er hat Verwandte in Baden-Württemberg, weshalb die Regierung in Washington eine Aufnahme in Deutschland für sinnvoll hält.

          Offener Brief von Murat Kurnaz

          Seine Tante, sein Onkel und sein Cousin sind schon seit Jahrzehnten deutsche Staatsbürger. Das berichtet jedenfalls der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz. Er hatte sich zu Beginn dieses Jahres in einem offenen Brief für eine Aufnahme Chekkouris in Deutschland eingesetzt. Er hatte ihn im Lager kennengelernt und sich mit ihm angefreundet. Kurnaz schrieb, für Chekkouri komme eine Rückkehr nach Marokko nicht in Frage, weil er sicher sei, dort getötet zu werden. Agenten des marokkanischen Geheimdienstes hätten ihm ausdrücklich mit Folter gedroht, sollte er je zurückkehren.

          Ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums sagte am Mittwoch, bisher habe man noch keine offizielle Anfrage der Bundesregierung erhalten. Sollte das geschehen, würde diese geprüft. Hamburg hatte 2010 einen damals 34 Jahre alten staatenlosen Palästinenser aufgenommen, der acht Jahre lang in Guantánamo gewesen war. Inzwischen hat er eine eigene Wohnung, spricht gut Deutsch und führt ein „ganz normales Leben“ in Hamburg, wie es aus der zuständigen Sozialbehörde heißt. In der Behörde hat der Mann auch eine Ansprechpartnerin, die das Verhältnis als vertrauensvoll beschreibt.

          Ein weiterer ehemaliger Insasse des Gefangenenlagers kam nach Rheinland-Pfalz. Ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Innenministeriums sagte, dem Mann gehe es „gut“. Es bestehe „kein Anlass zur Sorge – weder um den Betroffenen noch um das Land“. Der amerikanische Präsident Barack Obama hatte angekündigt, das Lager auf der Insel Kuba schließen zu wollen. Das ist bisher nicht geschehen; es sind immer noch etwa 150 Gefangene dort.

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