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Bistum Limburg : Staatsanwaltschaft prüft Untreueverdacht gegen Bischof

  • Aktualisiert am

Der Bischofssitz in Limburg Bild: dpa

Gegen Tebartz-van Elst sind neun Strafanzeigen eingegangen. Unterdessen wurden weitere Details aus dem Bischofssitz bekannt: Allein dessen Wohnung soll 2,9 Millionen gekostet haben, das Wohnzimmer hat 63 Quadratmeter, Schreinerarbeiten schlugen mit 350.000 Euro zu Buche.

          Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft bis Ende nächster Woche, ob ein Anfangsverdacht der Untreue gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vorliegt. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dem Evangelischen Pressedienst mit. Zuvor hatten neun Personen den Bischof wegen des Vorwurfs der Untreue angezeigt, fünf von ihnen anonym.

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erneuerte am Freitag seine Kritik an Tebartz-van Elst. „Gerade wir Bischöfe müssen uns fragen, wie und wo wir wohnen und leben. Wenn neu gebaut wird, haben wir Möglichkeiten, Zeichen zu setzen“, sagte Zollitsch der „Passauer Neuen Presse“. „Papst Franziskus lehrt uns allen einfaches Leben, Demut und Bescheidenheit.“ Er könne die Enttäuschung der Menschen im Bistum Limburg gut verstehen, sagte Zollitsch. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann forderte Tebartz-van Elst am Donnerstagabend auf, die Vorwürfe aufzuklären. „Wichtig ist natürlich, dass es jetzt noch mehr Klarheit gibt“, sagte Ackermann im Radio Vatikan.

          Zahl der Kirchenaustritte stark gestiegen

          Tebartz-van Elst teilte unterdessen mit, er werde sich am Wochenende nicht in einem Brief an die Gläubigen wenden oder einen öffentlichen Gottesdienst feiern. Anders als zuvor angekündigt, sei das derzeit nicht sinnvoll, teilte das Bistum am Freitag mit. Tebartz-van Elst hatte eine Stellungnahme in Aussicht gestellt, um „manches klarzustellen“. Trotz der Vorwürfe wegen der Kostensteigerung beim Ausbau seines Wohn- und Dienstsitzes verweigert der Bischof weiter eine Auskunft über die genauen Kosten der Bauarbeiten. Diese würden erst veröffentlicht, wenn der Bericht der von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten Prüfkommission vorliege, so der Sprecher des Bistums.

          Vertreter von Kirche und Politik legten dem Bischof unterdessen den Rücktritt nahe. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, sprach gegenüber der Zeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“ von einer „Belastung für die katholische Kirche in ganz Deutschland“. Der scheidende Vizepräsident des Deutschen Bundestages Wolfgang Thierse (SPD), der Mitglied des ZdK ist, sagte der Zeitung „Die Welt“, Tebartz-van Elst solle Konsequenzen ziehen – „um der Kirche willen, der er doch dienen soll, und die nicht seine Pfründe ist“. Im Bistum Limburg ist derweil die Zahl der Kirchenaustritte stark gestiegen. Nach Angaben des Limburger Amtsgerichts traten allein am Donnerstag 20 Katholiken aus. Üblich sei ein Austritt alle zwei Tage.

          63 Quadratmeter großes Wohnzimmer

          Der Sprecher des bischöflichen Vermögensverwaltungsrats in Limburg, Jochen Riebel, gab unterdessen neue Details zur Inneneinrichtung des Komplexes bekannt. So soll allein der Bau der Wohnung des Bischofs und deren Ausstattung 2,9 Millionen Euro gekostet haben. In dem Neubau befinde sich auch ein 63 Quadratmeter großes Wohnzimmer, das zunächst nur in der Größe von 23 Quadratmetern geplant gewesen sei, und eine freistehende Badewanne. Allein die Schreinerarbeiten für die Wohnung des Bischofs sollen 350.000 Euro gekostet haben. Außerdem gehören zum Bischofssitz auch Büro- und Besprechungsräume, eine Bibliothek und eine Kapelle. Für Kunstwerke wurden demnach 450.000 Euro ausgegeben. Die Fenster der Privatkapelle kosteten angeblich 100.000 Euro. Für einen Tisch im Konferenzraum sollen 25.000 Euro bezahlt worden sein.

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