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Bischofskonferenz : Zollitsch: Ehrlichkeit ist der einzige Weg

Vor den annähernd 70 Mitgliedern der Bischofskonferenz zog Zollitsch eine selbstkritische Bilanz Bild: dapd

Auf ihrer Herbst-Vollversammlung wollen Deutschlands katholische Bischöfe ein heikles Thema angehen: Sie wollen der Prävention von sexuellen Übergriffen Geistlicher auf Kinder und Jugendliche besondere Aufmerksamkeit widmen.

          Die katholischen Bischöfe Deutschlands werden sich während ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda abermals ausführlich mit den sexuellen Übergriffen Geistlicher auf Kinder und Jugendliche befassen. Vor Beginn der Beratungen am Montagnachmittag sagte der Vorsitzende der Konferenz, der Freiburger Erzbischof Zollitsch, man wolle dem Thema Prävention besondere Aufmerksamkeit widmen. Über die neue Fassung der Leitlinien zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs in der Kirche, die die Bischöfe zu Beginn dieses Monats in Kraft gesetzt hatten, wusste Zollitsch zu berichten, sie seien positiv aufgenommen worden. Keine weiterführenden Beschlüsse erwartet Zollitsch über die Frage der „finanziellen Anerkennung“ des Leides der Opfer. Da sexueller Missbrauch ein gesamtgesellschaftliches Problem sei, müsse auch die Frage nach einer angemessenen Entschädigung gesamtgesellschaftlich gelöst werden. Das solle am runden Tisch der Bundesregierung geschehen, ohne dass eine Gruppe durch ihr „Vorpreschen“ andere unter Druck setze.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Vor den annähernd 70 Mitgliedern der Bischofskonferenz zog Zollitsch am späten Montagnachmittag eine selbstkritische Bilanz der Reaktion der Kirche auf Berichte über sexuelle Übergriffe von Geistlichen auf Kinder und Jugendliche. „Wir haben Opfern zu wenig zugehört, Fehler falsch beurteilt und unser Handeln, wie andere auch, oft zu sehr darauf ausgerichtet, dass das Ansehen der eigenen Institution, der Kirche, bewahrt bleibe. Die Zuwendung zu vielen Menschen war zu oft misslungen“, sagte der Vorsitzende. So sei es auch abwegig, die Kirche in erster Linie als Opfer von Kräften zu sehen, die ihr gegenüber gegnerisch eingestellt seien, allen voran den Medien, die die Kirche hätten schwächen wollen. Vielmehr seien es oft die Medien gewesen, die „den Opfern eine Stimme gegeben haben - was eigentlich unsere Aufgabe gewesen wäre“.

          Offen für Veränderungen

          Mit ersten Korrekturen in Gestalt einer Hotline und verbesserter Leitlinien sowie Erwägungen über Prävention und „freiwillige Leistungen“ an Opfer sei die Glaubwürdigkeit der Kirche längst nicht wiederherstellt. Zollitsch verhieß vielmehr „klare Signale“, dass die Bischöfe für Veränderungen offen seien, „die uns als Kirche stärker machen, weil sie uns enger mit Gott, wie auch enger mit den Menschen und der Welt von heute verbinden“. Ein erstes Signal besteht nach Zollitschs Worten in einer „vertieften Selbstvergewisserung“ der Bischöfe über das, was sie im eigenen Bistum, in der Bischofskonferenz und in der Weltkirche zu tun hätten. „Wir haben diese Reflexion über uns selbst bislang selten angestellt. Auch nicht über unser Kommunikationsverhalten“, sagte der Vorsitzende und warb mit diesen Worten für einen „Reflexionstag“, der erstmals den traditionellen „Studientag“ während der Herbst-Vollversammlung und damit ausgerechnet das Thema Ökumene verdrängen wird.

          Erzbischof Robert Zollitsch (l.) und Kardinal Karl Lehmann

          Dieser Reflexionsprozess soll nach den Worten Zollitschs indes nicht mit der Vollversammlung enden, sondern in einen „umfassenden Gesprächsprozess“ in der Kirche in Deutschland insgesamt münden. Das zweite Signal sei daher: „Vorrangig müssen in diesen Tagen zunächst einmal wir selbst uns klar machen, dass wir eine kommunikative Initiative solcher Art ergreifen wollen.“ Über die Ausgestaltung dieser Initiative in den Bistümern und auf der Ebene der Bischofskonferenz machte der Freiburger Erzbischof keine Angaben. Zollitsch warnte stattdessen vor „unrealistischen Erwartungen“ und vermied es sorgsam, den Begriff „Synode“ in den Mund zu nehmen und damit die Erinnerung an das „deutsche Konzil“ in Würzburg in den Jahren 1972 bis 1975 zu wecken. Keinen Zweifel ließ Zollitsch jedoch daran, dass die Bischöfe in den Orden, den geistlichen Gemeinschaften, den Vereinigungen und Initiativen, den katholischen Verbänden, den verschiedenen Räten in den Bistümern sowie in dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken „engagierte und qualifizierte Weggefährten“ hätten. „Es gibt für uns keinen anderen Weg als den der Offenheit, der Ehrlichkeit und den des Zuhörens“, beteuerte Zollitsch.

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