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Bischof Mixa unter Druck : Dubiose Geschäfte und heftige „Watsch'n“

  • -Aktualisiert am

Einige Ungereimtheiten hat der Bischof schon eingestanden Bild: ddp

Ein Sonderermittler wirft dem Bischof von Augsburg finanzielle Unregelmäßigkeiten in erheblichem Umfang vor. Unter Druck gerät Mixa auch wegen der Vorwürfe, in seiner Zeit als katholischer Stadtpfarrer in Schrobenhausen Kinder körperlich gezüchtigt zu haben.

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          Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, will sich persönlich um Aufklärung im Fall Walter Mixa bemühen. Dem Augsburger Bischof werfen ehemalige Heimkinder des Kinder- und Jugendhilfezentrums Schrobenhausen vor, er habe sie in seiner Zeit als Dorfpfarrer geschlagen. Mixa hatte am Freitag erstmals eingestanden, er habe Kinder möglicherweise geohrfeigt.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Der sächsische evangelische Bischof Jochen Bohl hat derweil Mixa den Rücktritt nahegelegt. „Was auch immer vor 30 Jahren in Schrobenhausen passiert sein mag, sein Verhalten in den letzten 14 Tagen ist seines Amtes nicht würdig“, sagte Bohl am Samstag in Leipzig. Über die Konsequenzen müsse die katholische Kirche jedoch selbst entscheiden. „Wir haben vor nicht allzu langer Zeit hinreichend deutlich gemacht, wie man in der evangelischen Kirche mit vergleichbaren Problemen umgeht“, sagte Bohl mit Blick auf den Rücktritt der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann.

          Am Freitag hatte ein Sonderermittler Bischof Mixa finanzielle Unregelmäßigkeiten in erheblichem Umfang vorgeworfen. Nach den Nachforschungen, die der Sondermittler in einem Zwischenbericht am Freitag erläuterte, sind in der Zeit, in der Mixa Vorsitzender des Kuratoriums der katholischen Waisenhausstiftung Schrobenhausen war, Gelder der Stiftung für sachfremde Zwecke verwandt worden.

          Unter anderem soll aus Mitteln der Stiftung ein Stich zu einem Preis von 43.000 Mark gekauft worden sein, dessen tatsächlichen Wert später ein Sachverständiger auf 5000 Mark schätzte. Als Verkäufer des Stichs, der aus der Zeit von Giovanni Battista Piranesi stammen sollte, trat ein früherer Kirchensekretär auf, der Mixa die Zahlung quittierte.

          Nicht nur wegen dieser und anderer Geschäfte geriet Mixa am Freitag unter Druck; er musste auch seine frühere Darstellung korrigieren, er habe „zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt“. Am Freitag sagte der Bischof, als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer in Schrobenhausen, der mit sehr vielen Jugendlichen zusammengetroffen sein, könne er „die eine oder andere Watsch'n von vor zwanzig Jahren“ nicht ausschließen. Seine frühere Erklärung wollte Mixa nur noch „auf schwere körperliche Züchtigungen“ bezogen wissen. Falls er Ohrfeigen, die zur damaligen Zeit „vollkommen normal“ gewesen seien, ausgeteilt habe, bedauere er dies jetzt aufrichtig.

          Rücktrittforderungen aus der Politik

          Politiker von SPD und Grünen forderten am Freitag auf Mixa zum Rücktritt auf. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag Künast warf Mixa vor, die Öffentlichkeit belogen zu haben. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Glück, äußerte, er halte gegenwärtig nichts von Rücktrittsforderungen. Ein Urteil könne man sich erst bilden, wenn völlige Klarheit über die Anschuldigungen hergestellt sei. Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrates, Mangold, sagte, Erinnerungslücken seien kein ausreichender Grund für einen Rücktritt.

          Mixa war von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer in Schrobenhausen; danach wurde er Bischof von Eichstätt. Im Jahr 2005 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Augsburg; seit 2000 ist Mixa auch Militärbischof. In seiner Zeit als Schrobenhausener Stadtpfarrer stand er dem Kuratorium der dortigen Waisenhausstiftung vor.

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