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Geldofferte für Youtuber : Manipulationsversuche gegen BioNTech-Pfizer

Ein Mitarbeiter bereitet im Dresdner Rathaus den Wirkstoff Comirnaty von BioNTech/Pfizer für Impfungen gegen das Coronavirus vor. Bild: dpa

Mehrere Influencer erhalten ein mysteriöses Angebot: Sie sollen auf angeblich hohe Todeszahlen des Impfstoffes von BioNTech/Pfizer hinweisen. Die Spur des Absenders führt nach Moskau.

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          Der Kampf um die Impfstoffe gegen das Coronavirus wird mit harten Bandagen ausgetragen. Mehrere sogenannte Influencer in Deutschland und Frankreich, die auf Youtube und Twitter unterwegs sind, haben von mysteriösen Beeinflussungsversuchen berichtet. Danach wurde ihnen Geld geboten, für das sie auf angeblich hohe Todeszahlen des Impfstoffes von BioNTech/Pfizer hinweisen sollten. Der deutsche Youtuber Mirko Drotschmann, der auf der Videoplattform als „MrWissen2Go“ zugegen ist, sowie der Franzose Léo Grasset, der unter „Dirty Biologiy“ firmiert, veröffentlichten entsprechende Schreiben. Darin schlug ein Mitarbeiter einer Agentur namens Fazze.com vor, Studien zu veröffentlichen, die Todesfallzahlen der Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und AstraZeneca vergleichen. AstraZeneca kam dabei deutlich besser weg. Quellen wurden nicht genannt.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Der Absender der Schreiben, den die F.A.Z. per Mail anschrieb, reagierte nicht. Die Webseite „Fazze.com“ gibt sich im Internet als eine „Marketing-Plattform von Influencern“ aus. Viel mehr Informationen sind dort nicht verfügbar.

          Nach Angaben der britischen Tageszeitung The Guardian handelt es sich bei dem Absender der Manipulationsversuche um eine Agentur, die Verbindungen nach Russland unterhält. Sie hatte als Sitz eine Adresse in London angegeben, die sich jedoch als falsch erwies. Auch laut Informationen im Business-Netzwerk LinkedIn verfügt das Management des Unternehmens über Verbindungen nach Moskau und ist dort in der Vergangenheit für die russische PR-Agentur AdNow tätig gewesen. Die LinkedIn-Profile der Mitarbeiter von Fazze sind inzwischen gelöscht worden. Auf Instagram sind Konten in den Privatbereich umgestellt worden.

          Die Beeinflussungsversuche richteten sich vor allem an Youtuber, die sich auf die Themen Gesundheit und Wissenschaft spezialisiert haben. Der deutsche Video-Blogger Drotschmann, der 1,5 Millionen Abonnenten hat, wurde in einem Schreiben gebeten, das Alter seiner Abonnenten statistisch zu beschreiben und der Agentur einen Kostenvoranschlag zu unterbreiten. Ein französischer Blogger namens „Et ҫa se dit Médecin“ berichtete, man hätte ihm 2000 Euro angeboten.

          Dem Franzosen Grasset, der auf knapp 1,2 Millionen Abonnenten kommt, wurde nach seinen Angaben ein „kolossales Budget“ versprochen, wenn er die ihm übermittelten Informationen auf Youtube, Instagram und Tiktok verbreite. Ein Mitarbeiter der Agentur Fazze.com hatte in dem an Grasset gerichteten Schreiben eine Statistik aufgeführt, die für den Impfstoff von BioNTech/Pfizer in Frankreich eine Todesfallrate von 45,3 Personen je einer Million verabreichter Dosen aufführt, gegenüber 17,9 für Astra Zeneca.

          Für Deutschland wird eine Quote von 29,9 für BioNTech/Pfizer und 6,5 für Astra-Zeneca genannt. Jegliche Quelle für diese Behauptungen fehlt. Bemerkenswert ist, dass der russische Impfstoffhersteller Sputnik auf seinem Twitter-Konto vor einigen Tagen eine Tabelle mit genau den gleichen Zahlen veröffentlicht hat – ebenfalls ohne Quellen-Nennung. Zudem wurden die Youtuber gebeten, darauf hinzuweisen, dass „die Mainstream-Medien das Thema ignorieren“. Sie sollten auch fragen, „warum einige Regierungen so aktiv den Pfizer-Impfstoff kaufen“. Grasset wurde zudem aufgefordert, Begriffe wie „Werbung“ oder „Gesponserter Beitrag“ in seinen Veröffentlichungen zu vermeiden. „Präsentiere das Material als deine eigenen unabhängige Sichtweise“, hieß es. Als der Franzose fragte, wer hinter dem Auftrag stehe, hieß es, der Auftraggeber wolle anonym bleiben.

          Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran verurteilte am Dienstag die Manipulationen in einem Interview mit dem Fernsehsender BFM-TV als „armselig, gefährlich und verantwortungslos“. Eine Pfizer-Sprecherin rief die Öffentlichkeit dazu auf, sorgfältig die Glaubwürdigkeit aller Informationsquellen zu prüfen.

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