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Bioethik - Standpunkte (3) : "Wir müssen verhindern, dass neue Embryos für die Forschung getötet werden"

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Jürgen Rüttgers (CDU) Bild:

Droht dem Embryonenschutz mit der Entscheidung des Bundestags zum Stammzell-Import das Ende? Abgeordnete aller Parteien diskutieren bei FAZ.NET. Ein Gastbeitrag von Jürgen Rüttgers (CDU).

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          Der Bundestag soll am 30. Januar darüber entscheiden, ob er die Einfuhr embryonaler Stammzellen zulassen will. Kritiker warnen, dass eine Zustimmung das Ende des Schutzes des Embryos bedeuten könnte. FAZ.NET hat den wichtigsten Akteuren der Diskussion deshalb die Frage gestellt:

          Wird eine Zustimmung des Bundestags zum Import embryonaler Stammzellen nach Deutschland eine Übergangslösung bis zur weitgehenden Lockerung des Embryonenschutzgesetzes sein?

          FAZ.NET dokumentiert in Gastbeiträgen zustimmende und ablehnende Standpunkte von Abgeordneten aller Parteien in fortlaufender Folge.

          Jürgen Rüttgers (CDU), forschungspolitischer Sprecher seiner Partei und Fraktionsvorsitzender im nordrhein-westfälischen Landtag:

          Wenn der Bundestag keine gesetzliche Importbeschränkung beschließt, dann ist die Tötung angeblich „überzähliger“ Embryos auch in Deutschland der nächste Schritt. Wer heute noch beschwichtigend das Gegenteil behauptet, wird morgen argumentieren, dass es heuchlerisch wäre, am strengen Embryonenschutz festzuhalten und gleichzeitig Stammzellen von frisch getöteten Embryos aus dem Ausland einzuführen. Neun der 15 Mitglieder von Gerhard Schröders Nationalem Ethikrat, die einen Import ohne Stichtagsregelung wollen, befürworten heute schon die Gewinnung von Stammzellen auch in Deutschland. Jeder muss wissen, wohin die Reise geht, wenn es keine Importbeschränkungen gibt.

          Die Begründung des Ethikrates für sein Mehrheitsvotum ist armselig. Es wird behauptet, der frühe menschliche Embryo sei zwar artspezifisches menschliches Leben (human life). Aber er sei kein individuelles menschliches Leben (human being), solange noch die Möglichkeit der Mehrlingsbildung bestehe. Wieso sollte denn ein Embryo kein Individuum sein, nur weil er die Potenz hat, sich zu mehr als einem Embryo zu verdoppeln oder zu vervielfachen? Über einen so begründeten ethischen Rat sollte auch der Kanzler staunen, der ihn in Auftrag gegeben hat.

          Der Bundestag sollte einen Stammzellimport gesetzlich auf Zellen beschränken, die bis zu einem bestimmten Stichtag in der Vergangenheit etabliert worden sind. Mit diesen Stammzelllinien kann die notwendige Vergleichsforschung durchgeführt werden, um Therapien mit adulten Stammzellen zu entwickeln. Die geschehene Embryonentötung lässt sich nicht mehr ungeschehen machen. Aber wir können und müssen verhindern, dass neue Embryos für die Forschung in Deutschland getötet werden. Das Embryonenschutzgesetz darf nicht gelockert werden. Die Importmöglichkeiten müssen eingeschränkt werden.

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