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Bioethik - Standpunkte (1) : "Wissenschaft und Politik nicht dämonisieren"

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Margot von Renesse (SPD), Vorsitzende der Enquetekommission Bild:

Droht dem Embryonenschutz mit der Entscheidung des Bundestags zum Stammzellen-Import das Ende? Abgeordnete aller Parteien diskutieren bei FAZ.NET. Ein Gastbeitrag von Margot von Renesse (SPD).

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          Der Bundestag soll am 30. Januar darüber entscheiden, ob er die Einfuhr embryonaler Stammzellen zulassen will. Kritiker warnen, dass eine Zustimmung das Ende des Schutzes des Embryos bedeuten könnte. FAZ.NET hat den wichtigsten Akteuren der Diskussion deshalb die Frage gestellt:

          Wird eine Zustimmung des Bundestags zum Import embryonaler Stammzellen nach Deutschland eine Übergangslösung bis zur weitgehenden Lockerung des Embryonenschutzgesetzes sein?

          FAZ.NET dokumentiert in Gastbeiträgen zustimmende und ablehnende Standpunkte von Abgeordneten aller Parteien in fortlaufender Folge.

          Margot von Renesse (SPD), Vorsitzende der Enquetekommission Recht und Ethik der modernen Medizin des Bundestages:

          Eines Tages das Embryonenschutzgesetz zu ändern, wäre kein naturgesetzliches Ereignis, sondern Entscheidung des Gesetzgebers. Wie und was der Deutsche Bundestag in einer späteren Legislaturperiode hinsichtlich der Biowissenschaften entscheiden wird, lässt sich weder in dieser noch in jener Richtung voraussagen. Nur eins steht fest: Stets wird gemäß Artikel 1 des Grundgesetzes die Achtung vor der Menschenwürde zu respektieren sein.

          Das häufig zu hörende „Dammbruchargument“ unterstellt einen Automatismus, den es nicht gibt und der dem Menschenbild der Verfassung widerspricht. In ethischen Fragen gilt, dass keineswegs B sagen muss, wer A gesagt hat. Es geht in jedem Fall um Entscheidungen in sittlicher Freiheit, die dem Menschen wesensgemäß ist.

          Das „Dammbruchargument“ lebt von polemischen Unterstellungen und der Dämonisierung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Es ist zutiefst ungerecht, aber auch wenig hilfreich: Wäre es so, dass eine Mehrheit von manisch neugierigen Wissenschaftlern im Verbund mit ethisch farbenblinden Politikern den Untergang unserer Werteordnung planten, so bliebe uns nur noch, die Decke über den Kopf zu ziehen und den Weltuntergang abzuwarten. In Wirklichkeit aber ist die Mehrheit der unter uns lebenden Wissenschaftler (sogar auch der Politiker) rechtstreu gesonnen und an der Erhaltung der Wertordnung langfristig interessiert.

          Misstrauen gegen drohenden Missbrauch ist gleichwohl notwendig. Diesen zu definieren und durch Kontrollmechanismen effektiv zu bekämpfen, ist klassische Aufgabe des Gesetzgebers.

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