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Bioethik : Kontroverse Debatte um Stammzellen-Importe

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In der Bundesregierung gibt es kontroverse Positionen zum Stammzellen-Import. Forschungsministerin Bulmahn ist dafür, Justizministerin Däubler-Gmelin dagegen.

          Eineinhalb Wochen vor der Bundestagsentscheidung dauert die Kontroverse um den Import embryonaler Stammzellen an. Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) warb erneut dafür, die Einfuhr solcher Stammzellen nach Deutschland zu gestatten. Ähnlich äußerte sich Thüringens Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski (CDU). Dagegen kündigte Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) an, sie werde gegen einen Import stimmen.

          Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner forderte die CDU auf, diese Frage nicht dem Gewissen der einzelnen Abgeordneten zu überlassen. Vielmehr müssten sich die christlichen Parteien klar gegen den Import stellen.

          Bulmahn warnte in der „Leipziger Volkszeitung“, der Verzicht auf die Arbeit mit embryonalen Stammzellen würde Deutschland „auf Jahre einen Forschungsweg verschließen“. Die Würde des Menschen umfasse auch die Verantwortung dafür, kranken Menschen zu helfen. „Was machen wir, wenn durch diese Forschung in Zukunft im Ausland, wo sie erlaubt ist, neue Medikamente und Therapien für Krankheiten entwickelt werden? Was machen wir, wenn vielleicht Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson geheilt werden können? Sollen wir diese Medikamente dann in unserem Land verbieten?“, schreibt Bulmahn in der "Bild am Sonntag".

          Bulmahn forderte strenge Auflagen und Kontrollen für den Import dieser Zellen. Dies dürfe nicht in „Wild-West-Manier“ geschehen. So dürfe nur die Einfuhr bereits vorhandener Zelllinien aus überzähligen, befruchteten Eizellen erlaubt werden. Die CDU-Politikerin Schipanski berief sich in der „Mitteldeutschen Zeitung“ auf die „Ethik des Heilens“. Es sei „doppelbödig, wenn wir die Forschung an embryonalen Stammzellen verbieten, aber dann, wenn der erste Querschnittgelähmte aufsteht, wir die aus der Forschung hervorgehende Methode nutzen“.

          Däubler-Gmelin lehnte dagegen den Import von embryonalen Stammzellen und die Arbeit damit ab. Auch für importierte embryonale Stammzellen müssten Embryonen getötet werden, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Ein Import würde nach ihrer Ansicht zwangsläufig weiteren Embryonenverbrauch nach sich ziehen. Sie werde bei der Abstimmung im Bundestag einen Antrag unterstützen, der die Verhinderung des Imports zum Ziel hat.

          Kardinal Meisner forderte die CDU auf, sich als Partei klar gegen die Forschung mit diesen Zellen auszusprechen. Die Entscheidung im Bundestag dürfe nicht eine „Privatentscheidung der Parlamentarierer“ bleiben. „Das ist grotesk und für Christen alarmierend.“

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