https://www.faz.net/-gpf-2slv

Bin Ladin : Offiziell kaum Beweise

  • Aktualisiert am

Bush will ihn „tot oder lebendig” Bild: ap

Präsident George Bush will ihn „tot oder lebendig“. Offiziell aber wurden bislang kaum Beweise gegen den Islam-Extremisten Bin Ladin präsentiert.

          2 Min.

          Präsident George W. Bush will ihn „tot oder lebendig“. Seit die Vereinigten Staaten Usama Bin Ladin als mutmaßlichen Drahtzieher der verheerenden Anschläge vom 11. September ausgemacht haben, werden sie in ihren Forderungen immer deutlicher. Auf schlüssige
          Beweise, dass der saudiarabische Multimillionär hinter den Terrorattacken steckt, wartet die Öffentlichkeit allerdings noch immer.

          Ein Bericht über die Verwicklung Bin Ladens in die Anschläge sei schon längst in Vorbereitung, heißt es beschwörend aus Regierungskreisen. Ob dieser jedoch veröffentlicht wird, ist unklar.

          Eine umfassende Information der Bevölkerung könnte die Ermittlungen beeinträchtigen und Informanten in Gefahr bringen, heißt es. Dennoch hat das Weiße Haus versichert, den Amerikanern den Fall Bin Laden darzulegen, um geplante Gegenschläge zu rechtfertigen.
          Daneben werde aber auch geprüft, ob andere Terrororganisationen oder gar Staaten in die Anschläge verwickelt seien.

          Kaum öffentliche Informationen

          Bislang haben die Ermittler die Weltöffentlichkeit erst an wenigen der von ihnen verfolgten Spuren teilhaben lassen. Die erste, von der Senator Orrin Hatch in den Tagen nach den Anschlägen berichtete, führt direkt zum Netzwerk Bin Ladens. Kurz nach den Attacken habe der Geheimdienst ein Telefongespräch zwischen zwei Vertrauten Bin Ladens abgehört, in dem sie über den gelungenen Angriff auf zwei Ziele in den USA gesprochen hätten, sagte Hatch.

          Weiter bringen die Ermittler den Namen einer der Entführer mit Bin Laden in Verbindung. Seit August stand ein Khalid al Midhar auf einer Liste von Personen, die verstärkt überwacht werden sollten. Al Midhar sei zuvor nach Erkenntnissen des Geheimdienstes in Malaysia mit Verbündeten Bin Ladens zusammengetroffen, erklärten Regierungsmitarbeiter.

          Allerdings ist nicht klar, ob der wahre Khalid al Midhar an Bord des entführten Flugzeugs war, das aufs Pentagon stürzte. Der Entführer könnte einen falschen Namen verwendet haben, heißt es aus Sicherheitskreisen. Al Midhar lebe möglicherweise noch, erklärten auch die saudiarabischen Behörden.

          Bin Ladin beteuerte Unschuld

          Auch Bin Ladins Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten und frühere Anschläge, die ihm zugeschrieben werden, sprechen für Washington eine deutliche Sprache. Bin Laden soll nach den Anschlägen auf World Trade Center und Pentagon in seinem Versteck in Afghanistan gejubelt haben. Er hat jedoch auch erklärt, er sei nicht darin verwickelt. Glauben mag ihm offenbar kaum jemand schenken.

          Die herrschenden Taliban in Afghanistan haben zwar wiederholt betont, Bin Ladin habe aus dem Asyl keinen solchen Angriff vornehmen können. Westliche Ermittler weisen jedoch darauf hin, der mutmaßliche Drahtzieher habe durchaus die Mittel und die Macht dazu. Seine Gruppen sind für peinlichst genaue Planungen ihrer Aktionen bekannt.

          Keine Auslieferung ohne Beweise

          Bin Ladin wird unter anderem beschuldigt, hinter den Anschlägen auf die amerikanische Botschaften in Nairobi und Daressalam im August 1998 zu stehen und in die Attacken gegen das World Trade Center 1993 und auf das amerikanische Kriegsschiff „USS Cole“ im vergangenen Jahr verwickelt gewesen zu sein.

          Aus seinem Hass auf die Vereinigten Staaten hat Bin Ladin keinen Hehl gemacht. Den
          Kampf gegen Amerika hat er sich deutlich auf die Flagge geschrieben. Wiederholt drohte er mit Anschlägen und erklärte, alle Amerikaner seien Ziele seines Kampfes. Nicht nur in Afghanistan, wo Bin Ladin Unterschlupf fand, ist er damit bei Extremisten auf offene Ohren gestoßen.

          Unter internationalem Druck und aus Furcht vor Vergeltungsschlägen hat Afghanistan zwar vor einigen Tagen seinen Widerstand gegen eine Auslieferung Bin Ladins in besänftigende Worte verpackt: Bin Ladin wurde vom Rat der Religionsgelehrten aufgefordert, das Land freiwillig zu verlassen. Eines jedoch haben die Taliban deutlich gemacht: Eine direkte Auslieferung des Gesuchten wird es nicht geben - nicht ohne Beweise für seine Schuld.

          Weitere Themen

          War es ein Terrorakt?

          Attentat auf Militärstützpunkt : War es ein Terrorakt?

          Die Ermittler in Florida können noch nicht sagen, ob der Attentäter von Pensacola allein handelte oder Mittäter hatte. Weil es sich um einen saudischen Soldaten handelte, diskutieren aber auch die Republikaner über die Beziehungen des Präsidenten zum Königreich.

          Topmeldungen

          Dicke Luft in Stuttgart

          Klimagipfel : Mit Verzichtspanik wird nichts erreicht

          Als müsste in einer klimafreundlicheren Welt jemand aufs Auto, aufs Heizen, Fliegen oder auf Kinder verzichten! Das Vertrauen in die Technik ist bei denen, die den Innovationsgeist am lautesten für sich reklamieren, am geringsten.
          Warnt die SPD: der CSU-Vorsitzende Markus Söder

          Zukunft der Groko : „Stabilität ja, Siechtum nein“

          Einen grundlegend neuen Kurs der Koalition werde es nicht geben, warnt die Union die SPD. Beim Klimapaket, das am Abend im Vermittlungsausschuss beraten wird, erwartet der Unionsfraktionschef aber eine schnelle Einigung.

          Johnson gegen Corbyn : Eine radikale Wahl

          Die Labour-Partei unter Corbyn ist keine sozialdemokratische Partei mehr. Mit sozialistischen Forderungen und geplanten Verstaatlichungen macht er auf sich aufmerksam. Die Tories dagegen sind weiter nach rechts gerückt.

          Attentat auf Militärstützpunkt : War es ein Terrorakt?

          Die Ermittler in Florida können noch nicht sagen, ob der Attentäter von Pensacola allein handelte oder Mittäter hatte. Weil es sich um einen saudischen Soldaten handelte, diskutieren aber auch die Republikaner über die Beziehungen des Präsidenten zum Königreich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.