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Bin-Ladin-Aufnahmen : Deutsche Terrorismusexperten: Video ist echt

  • Aktualisiert am

Klare Hinweise von Usama bin Ladin Bild: APTN

In der amerikanischen Öffentlichkeit zweifelt kaum noch jemand daran, dass Usama bin Ladin für die Attacken des 11. September verantwortlich ist.

          4 Min.

          Einen Tag nach der Veröffentlichung eines Videos, in dem Bin Ladin genaue Kenntnisse über die Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon offenbart, herrscht in den USA helle Empörung. Nach Medienberichten zweifelt in der amerikanischen Öffentlichkeit nun kaum noch jemand daran, dass Bin Ladin für die Attacken des 11. September verantwortlich ist. Der Ruf nach einer Festnahme Bin Ladins wird immer lauter. Mit der veröffentlichten Video-Aufzeichnung von Usama bin Ladin sind auch nach den Worten von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die letzten Zweifel ausgeräumt, dass der saudiarabische Extremistenführer für die Terroranschläge vom 11. September verantwortlich ist.

          Schröder sagte am Freitag, er halte das Video für “authentisch“. Es sei ein „sehr eindeutiger Beweis“, dass Bin Ladin und sein “Terrorverein“ hinter dem verheerenden Anschlag steckten. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) nahm während eines Besuchs des amerikanischen Justizministers John Ashcroft Stellung zu dem am Donnerstag veröffentlichten Video. Die Aufzeichnung lasse in der Person Bin Ladins eine „moralische Verkommenheit in einer Form erkennen, die das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt“, sagte Schily.

          Experten stufen Video als authentisch ein

          Ähnlich äußerten sich auch deutsche Terrorismusexperten, die das Video übereinstimmend als authentisch einstuften. Der Autor Rolf Tophoven sagte: „Ich halte es für echt. Ich glaube nicht, dass hier eine Manipulation vorliegt.“ Seine Einschätzung basiere auf den eindeutig taktisch-operativen Kenntnissen, die Bin Ladin in der Aufzeichnung verrate. „Das kann man nicht manipulieren“, sagte Tophoven. Aus seinen Äußerungen gehe eindeutig hervor, dass die Terrororganisation Al Qaida die Operation am 11. September geplant habe, sowie dass Bin Ladin an deren Spitze stehe und seine Leute ihm bedingungslos ergeben seien.

          Auch der Bin-Ladin-Biograf Michael Pohly sagte: „Es gibt keine Diskussion mehr, ob Usama bin Ladin verantwortlich ist oder nicht. Dieses Video ist eindeutig.“ Er zweifle die Echtheit der Aufnahmen nicht an. Soweit möglich habe er die Übersetzungen überprüft und festgestellt, dass sehr viel Wert auf Genauigkeit gelegt wurde, sagte Pohly.

          Angehörige: "Ich kann nicht sagen, ob er es ist"

          Familienangehörige von Bin Ladin haben den mutmaßlichen Terroristen in dem Amateurvideo dagegen nicht eindeutig identifizieren können. „Ich habe das Video im Fernsehen gesehen, aber ich kann nicht sagen, ob er es ist oder ob es sich um jemanden handelt, der ihm sehr ähnlich sieht“, sagte ein Familienmitglied mütterlicherseits in Latakia im Nordwesten Syriens . „Da sind so viele Interessen im Spiel, wie soll ich wissen, ob der Film echt ist oder nicht“, sagte ein zweites Familienmitglied.

          "Sie waren außer sich vor Freude"

          Berater hatten Bush in den vergangenen Tagen gedrängt, das Band als PR-Instrument einzusetzen und damit von der bisher geltenden Devise „Keine TV-Zeit für Bin Ladin“ abzuweichen. Am Donnerstag hatten die USA das Bin-Ladin-Video veröffentlicht. Darin erklärt Bin Ladin seinen Gästen, dass er nicht mit einem solchen gewaltigen Schaden in New York gerechnet habe. Er sei davon ausgegangen, dass nur die Stockwerke oberhalb des Einschlags einstürzen würden, sagte Bin Ladin. „Wir hatten errechnet, dass höchstens drei bis vier Stockwerke getroffen werden. Dies war von allen (Berechnungen) die optimistische.“

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