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Bildungspolitik : Ohne die Hauptschule

  • -Aktualisiert am

Hauptschule in Arnsberg: Verstärkte Anstrengungen nötig Bild: dpa

Die Hauptschule ist nicht mehr schönzureden, wenn sie von Eltern wie Schülern gemieden wird. Mit der Abschaffung einer Schulform aber ist es nicht getan. Deutschland wird sonst mit einem riesigen Bildungsprekariat zu kämpfen haben.

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          Die Hauptschule ist nicht mehr schönzureden, wenn sie von Eltern wie Schülern gemieden wird. Daher bleibt der Union gar nichts anderes übrig, als den vernünftigen Weg in die Zweigliedrigkeit einzuschlagen, den Bildungsforscher längst allen Ländern nahegelegt haben.

          Sowohl Bayern als auch Baden-Württemberg haben schon Auswege aus der reinen Dreigliedrigkeit gesucht, indem sie vielerorts Haupt- und Realschulen zusammengelegt haben. Häufig waren die Hauptschulen wegen ihrer kleinen Klassen schon jetzt teurer als manches Gymnasium.

          Mit der Abschaffung einer Schulform aber ist es nicht getan. Die typische Hauptschulklientel aus bildungsbenachteiligten Schichten und Einwandererfamilien wird es weiterhin geben. Sollen all diese Schüler zu einem mittleren Abschluss geführt werden, sind verstärkte Anstrengungen während der gesamten Schullaufbahn nötig. Gelder, die durch den Geburtenrückgang frei werden, müssen im Bildungssystem bleiben, um diesen Jugendlichen zusätzliche Sprachförderung zukommen zu lassen. Deutschland wird sonst mit steigenden Schulabbrecherzahlen und einem riesigen Bildungsprekariat zu kämpfen haben.

          Ob es gelingt, Schulklassen mit mehrheitlich eingewanderten Schülern erfolgreich zu einem qualifizierten Abschluss zu führen, hängt im Wesentlichen an der Qualität des Unterrichts, also an der Lehrerausbildung. Solange auch Unionsländer untätig zuschauen, wie ihre Universitäten viel Geld für die Lehramtsstudenten bekommen, aber nichts für deren spezifische Ausbildung tun, steht es nicht gut um die Zukunft der Schulen.

          Schleichende Aushöhlung des Gymnasiums

          Der Bundesparteitag der CDU kann zwar vernünftige Grundsatzpapiere verabschieden, doch es gibt keine Verpflichtung, sie in den Ländern ernst zu nehmen. Hamburg, Niedersachsen und das Saarland sind nur einige Beispiele für die schleichende Aushöhlung des Gymnasiums als erfolgreichster Schulform durch integrative Schulformen.

          Durch solche schulpolitischen Experimente oder die Verlagerung bildungspolitischer Verantwortung an die Kommunen hat die Union viel Vertrauen an der Basis eingebüßt. Gerade die traditionell unionsnahen Lehrerverbandsvertreter sind tief enttäuscht. Wenn es der Union nicht gelingt, ein unverwechselbares bildungspolitisches Programm zu verwirklichen und nicht nur davon zu reden, steht es schlecht um ihre schulpolitische Zukunft.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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