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Bildungspolitik nach „Pisa“ : Eliten vor Gott und im Internet

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Pisa und die Folgen: Was die Parteien für die Bildung tun wollen Bild: dpa

In ihrem Wahlprogramm zur Bildungspolitik kommt nur die CDU ohne das Reizwort „Pisa“ aus. Es gibt noch andere Überraschungen. Der FAZ.NET-Programmcheck.

          3 Min.

          Bildung, Wissen und Kultur, das sind die Schlüsselressourcen im 21. Jahrhundert - PDS. Bildung ist Bürgerrecht - FDP. Unsere Schulen brauchen eine neue Lernkultur - Grüne. Bildung ist Schlüssel für individuelle Lebenschancen und Motor für gesellschaftliche Entwicklungen - CDU. Bildung entscheidet über unsere Zukunft - SPD. Welche Partei steht für welches Wahlprogramm? FAZ.NET hat die Inhalte analysiert.

          Seit der Veröffentlichung der Pisa-Studien behandeln die Parteien das Thema, als ginge es um ihre eigene Zukunft im parlamentarischen Betrieb. Bildung ist „in“, ein „Megathema“, wie es immer wieder heißt. Aber in ihren Programmen zur Bundestagswahl kommt nur die CDU ohne das Reizwort „Pisa“ aus. Es gibt noch andere Überraschungen.

          Frage nach Gott

          Dazu gehört, wo die Union ihre Schwerpunkte setzt. Erster Absatz: Bildung für alle als gesellschaftspolitische Verantwortung - das fehlt bei keiner Partei. Allerdings pochen nur die anderen auf Chancengerechtigkeit. Zweiter Absatz: Bekenntnis zum „gegliederten begabungsgerechten“ Schulsystem - gerade selbst von der Wirtschaft in Frage gestellt, eine alte Spitze gegen die sozialdemokratische Gesamtschule.

          Doch dann, schon im dritten Absatz: „Der Religionsunterricht muss im Fächerkanon der Schulen seinen festen Platz haben. (...) Denn auch die Schule muss jungen Menschen helfen, der Frage nach Gott nachzugehen und Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu geben.“ Wissen plus Werte, das streben alle Parteien an. Die ausdrückliche Verbindung zu Gott schafft nur die CDU - eine programmatische Reminiszenz an das „C“, die sich in öffentlichen Debatten kaum noch offenbart.

          PDS und Eliten

          Ungewöhnliche Akzente schon im dritten Absatz, das kann auch die PDS. Sie fordert, der „digitale Graben“ zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern des Internets müsse überbrückt werden: „Alle Menschen sollen über die Voraussetzungen für die Nutzung des Internets verfügen können.“ Erst dann folgt die Klage darüber, dass nur acht Prozent der Kinder aus einkommensschwachen Familien ein Hochschulstudium aufnähmen. „Die in den siebziger Jahren unter sozialdemokratischer Regierungsverantwortung erreichten Fortschritte bei der sozialen Durchlässigkeit des Bildungssystems sind heute substanziell in Frage gestellt.“ Aber es geht nicht nur um Gleichheit: „Begabungen und Begabte sollen besser unterstützt werden“, sagt die PDS in einem vorsichtigen Bekenntnis zur Elitenbildung.

          Hier werden die anderen Parteien deutlicher. Die CDU strebt die Förderung von Hochbegabten an, „gleich, aus welchen Schichten sie kommen“. Die SPD, die Bildung eine soziale Frage nennt, schreibt: „Begabtenförderung und Benachteiligtenförderung bedingen sich gegenseitig.“ Die Grünen fordern schlicht mehr individuelle Förderung. Die FDP spricht vom Recht Hochbegabter auf besondere schulische Förderung, das sich aber nicht von dem Lernschwacher unterscheide.

          Differenziertes „Bürgerprogramm“

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