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Bildungsbericht 2014 : Jeder zehnte Gymnasiast scheitert

  • Aktualisiert am

Abiturprüfung in Düsseldorf Bild: dpa

Im Lauf der Jahrgangsstufen 5 bis 9 müssen zehn Prozent der Schüler das Gymnasium verlassen. Der neue Nationale Bildungsbericht belegt zudem, dass es Menschen mit Migrationshintergrund deutlich schwerer haben.

          2 Min.

          Jeder zehnte Schüler auf dem Gymnasium muss vor Erreichen des Abiturs die Schule verlassen. Das geht aus dem neuen Nationalen Bildungsbericht hervor. Während das Gymnasium im Laufe der Jahrgangsstufen 5 bis 9 durch Abbrüche oder Wechsel auf andere Schulen insgesamt zehn Prozent seiner Schüler verliert, nehmen gleichzeitig die Schülerzahlen an den anderen weiterführenden Schulen zu.

          Der Bericht „Bildung in Deutschland 2014“ einer Gruppe namhafter Wissenschaftler wurde am Freitag in Berlin von der Kultusministerkonferenz (KMK) und Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) vorgestellt.

          Aus dem Bericht geht auch hervor, dass es Menschen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungswesen immer noch deutlich schwerer haben als Einheimische. Ein Drittel der jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund verfüge über keinen beruflichen Abschluss, heißt es in dem Bericht „Bildung in Deutschland 2014“, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Unter den 30- bis 35-Jährigen haben demnach Migranten fünf Mal so häufig keinen allgemeinbildenden und drei Mal so häufig keinen beruflichen Bildungsabschluss wie gleichaltrige Deutsche.

          Kulturelle Ursachen und Vorbehalte

          Der vom Bundesforschungsministerium und der Kultusministerkonferenz (KMK) geförderte Bundesbildungsbericht wird seit 2006 im Zweijahres-Rhythmus veröffentlicht. Verfasst wird die umfassende Studie über die Entwicklung des Bildungssystems von der frühkindlichen Förderung über die Schule bis zu Hochschulen und berufliche Bildung unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt. Der Bericht wird auf Grundlage von Daten der Statistikämter, des Mikrozensus und anderer Forschungsdaten erstellt.

          Frauenfördererinnen: Johanna Wanka (rechts) und die Schulministerin von NRW, Sylvia Löhrmann
          Frauenfördererinnen: Johanna Wanka (rechts) und die Schulministerin von NRW, Sylvia Löhrmann : Bild: dpa

          Dem aktuellen Bericht zufolge gab es bei der Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund, die keinen allgemeinbildenden oder beruflichen Abschluss erlangen, seit 2005 kaum Veränderungen: Während bei Deutschen zwischen 30 bis 35 die Zahl derjenigen ohne Berufsabschluss in diesem Vergleichsjahr und 2012 konstant bei etwa zehn Prozent lag, betrug der Anteil bei Migranten um 35 Prozent. Besonders hoch liegt der Anteil derjenigen ohne Berufsabschluss bei Menschen türkischer Herkunft, mit knapp 60 Prozent bei den Frauen und knapp 50 Prozent bei den Männern.

          Als Ursachen für die schlechte Position von Migranten bei den Abschlüssen vermuten die Forscher mehrere Gründe: zum einen sind das kulturelle, etwa wenn eine Ausbildung für Frauen nicht für nötig befunden wird. Außerdem hätten viele Unternehmen nach wie vor Vorbehalte gegen ausländische Bewerber. Schüler mit Migrationshintergrund besuchen dem Bericht zufolge zudem weiterhin erheblich seltener das Gymnasium und überdurchschnittlich häufig die Hauptschule. Fast die Hälfte von ihnen landet auch aus diesem Grund nach der Schule im sogenannten Übergangssystem, einjährigen Angeboten zur Vorbereitung auf eine Berufsausbildung.

          Einen Schwerpunkt setzt der Bildungsbericht diesmal bei den Bildungschancen für Behinderte und bei der angestrebten Inklusion - dem von einer UN-Konvention verlangten gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern. In Deutschland gibt es 493.000 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf - das sind 6,5 Prozent aller Schüler.

          „Bewegung und Stillstand“

          Insgesamt ziehen die Autoren des Berichts ein gemischtes Fazit: „Der Bericht zeigt ein Bildungswesen zwischen Bewegung und Stillstand“, fasste es der Sprecher der Forscher, Marcus Hasselhorn vom DIPF, zusammen. Zwar lasse sich „ein Trend zu mehr Bildung“ wahrnehmen. Zum Beispiel würden Kinder unter drei Jahren häufiger in Kindertagesstätten betreut. Die Zahl der Abiturienten sei zuletzt auf 57 Prozent gestiegen, die Zahl der Studienanfänger in den vergangenen 13 Jahren von 200.000 auf 500.000. Nicht alle gesellschaftlichen Gruppen seien aber „Teil dieser Dynamik“, so wachse nach wie vor jedes dritte Kind in einem erwerbslosen, armutsgefährdeten oder bildungsfernen Elternhaus auf.

          Handlungsbedarf sehen die Forscher im Bereich der frühkindlichen Bildung, wo nach dem Ausbau des Angebots an Betreuungsplätzen nun die Qualität im Vordergrund stehen müsse. Bei den Ganztagsschulen fordern sie ein klares organisatorisches Konzept. Angesichts des Rückgangs von Ausbildungsplätzen müsse zudem die Beziehung von Berufs- und Hochschulausbildung überdacht werden.

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