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Bildung : Wulff: Die Rechtschreibreform ist gescheitert

  • Aktualisiert am

Christian Wulff ist Gegner der Rechtschreibreform Bild: AP

Der niedersächsische Ministerpräsident warnt vor einem Zustand der „Sprachverhunzung“ in Deutschland und hat sich dafür ausgesprochen, die Ministerpräsidentenkonferenz mit der Rechtschreibreform zu befassen.

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          Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Ministerpräsidentenkonferenz mit der Rechtschreibreform zu befassen. Die Zuständigkeit der Kultusministerkonferenz für die neue Rechtschreibung müsse beendet werden, forderte Wulff im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Rechtschreibreform sei abwegig und gescheitert. Sie habe der Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet. Das dürfe sich eine Sprache jedoch nicht leisten, wenn sie sich im internationalen Vergleich behaupten müsse. Deutschland gerate zunehmend in einen Zustand der "Sprachverhunzung".

          Auf kultusministerieller Ebene sei die Rechtschreibreform nicht mehr zu bewältigen. Die Kultusministerkonferenz habe das Projekt jahrelang unkritisch gedeckt und ihren eigenen Ministerialbeamten sowie der Rechtschreibkommission blind vertraut. Von ihr sei schon seit Mitte der neunziger Jahre keine Einsicht oder gar eine Rücknahme zu erwarten. Dennoch wollte Wulff nicht von seiner Weisungsbefugnis gegenüber dem eigenen Kultusminister Gebrauch machen, der in Mainz durch sein Veto einen anderen Beschluß hätte herbeiführen können. Auch andere Ministerpräsidenten scheinen sich zu scheuen, die Loyalität zu ihrem Kultusminister aufzugeben.

          Unterstützung aus dem Saarland

          Unterdessen haben sich auch 60 Rechtswissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in einem Schreiben an die Ministerpräsidenten der Länder gewandt und sie darum gebeten, von ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch zu machen. Angesichts der Beschlußlage der Kultusminister könne nun nur noch ein Machtwort der Ministerpräsidenten weiteren Schaden für die deutsche Sprachgemeinschaft, aber auch für das Ansehen der Politik abwenden. Sollte sich der Eindruck in der Bevölkerung verfestigen, daß die Politik nicht einmal in der Lage sei, dieses Problem, etwa aus Rücksichtnahme auf die Kultusverwaltungen, "undogmatisch und unbürokratisch zu erledigen, wird ihr die Lösung weit schwierigerer Aufgaben erst recht nicht mehr zugetraut", heißt es in dem Brief.

          Wulff, der seit 1995 nach eigenen Angaben 25 Pressemitteilungen gegen die Rechtschreibreform verfaßt hat, kann sich der Unterstützung durch den saarländischen Ministerpräsidenten Müller gewiß sein. Für einen Antrag in der Ministerpräsidentenkonferenz müßten sich jedoch weitere Ministerpräsidenten, möglichst auch sozialdemokratische, gegen die Rechtschreibreform einsetzen und damit der ablehnenden Haltung der Bevölkerungsmehrheit Gehör schenken. Außerdem muß die Bundesregierung eingeschaltet werden. Denn die Souveränität Österreichs und der Schweiz seien zu achten. Mit diesen Staaten war das Abkommen über die Rechtschreibreform getroffen worden. Eine einheitliche Schreibung gibt es bisher keineswegs - sowohl Österreich als auch die Schweiz haben landestypische Besonderheiten.

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