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Bildung : Pisa: Deutsche Schüler nicht besser und nicht schlechter

Finnen sind besser: deutsche Schüler Bild: AP

Die jüngste Pisa-Vergleichsstudie für 250.000 Schüler aus 41 Ländern zeigt: Deutsche Schüler sind stark im Problemlösen, aber schwach im Lesen. Finnland ist wieder spitze, Großbritannien wurde disqualifiziert.

          Deutschland liegt bei der Pisa-Vergleichsstudie 2003 in Mathematik, beim Lesen sowie in den Naturwissenschaften im internationalen Durchschnitt. Bei der fächerübergreifenden Fähigkeit "Problemlösen" haben die deutschen Schüler indes Werte erreicht, die den OECD-Durchschnitt weit überragen. Bessere Ergebnisse als Deutschland erzielten dabei nur sechs OECD-Staaten.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          "Die Jugendlichen lassen mit einer überdurchschnittlich stark ausgeprägten Problemlösekompetenz ein bemerkenswertes kognitives Potential erkennen", heißt es in der Pisa-Auswertung, die an diesem Montag in Berlin vorgestellt wird. Offensichtlich gelingt es den Schulen nicht, die ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten für ein stärker fachbezogenes Wissen und Verständnis zu entwickeln, das zeigt sich an den Mathematikleistungen. Jeder fünfte Schüler in Deutschland kann am Ende seiner Pflichtschulzeit nur auf Grundschulniveau rechnen. Insgesamt haben sich die deutschen Ergebnisse stabilisiert, während etwa Österreich in Naturwissenschaften von Platz acht auf Platz 20 abgerutscht ist.

          Spitzenreiter Finnland

          Bei der zweiten Pisa-Studie standen die mathematischen Fähigkeiten im Mittelpunkt, bei der ersten Pisa-Erhebung war es die Lesekompetenz. Der deutsche Mittelwert in der Gesamtskala Mathematik liegt bei 503 Punkten, der OECD-Durchschnitt bei 500 Punkten. Spitzenreiter in allen drei Gebieten ist auch bei dieser Studie Finnland (544 Punkte). Beim Schwerpunkt Mathematik folgen an zweiter Stelle Korea (542 Punkte), sodann Kanada, die Niederlande und Japan. Abstände auf der internationalen Pisa-Skala in einer Größenordnung von 35 bis 40 Punkten können etwa in ein Schuljahr umgerechnet werden. Das heißt, finnische Schüler sind den gleichaltrigen deutschen Schülern in allen drei Testgebieten um ein Schuljahr voraus, obwohl sie erst mit sieben Jahren eingeschult werden.

          An Pisa 2003 beteiligten sich 41 Staaten (30 OECD-Länder und 11 Partnerländer). Insgesamt wurden etwa 250.000 Schüler im Alter von 15 Jahren getestet. An einem international festgelegten Testtag mußten die Schüler in zwei Stunden Aufgabenblöcke zu den Kompetenzbereichen bearbeiten und Fragen beantworten. Disqualifiziert wurde Großbritannien, weil es die Stichprobengröße nicht erfüllte.

          Große deutsche Risikogruppe

          In Deutschland nahmen 216 Schulen mit 4660 Schülern teil. Für den Vergleich der Bundesländer, dessen Ergebnisse im September 2005 erwartet werden, wurde die Stichprobe um 1300 weitere Schulen aufgestockt. Am zweiten Testtag für den Bundesländervergleich wurden die Lernergebnisse abgefragt, die einen Zusammenhang mit deutschen Lehrplänen der Schulmathematik aufweisen. Die Federführung liegt in Deutschland beim Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel unter Leitung von Manfred Prenzel. Die internationale Koordinierung hat das Sekretariat der OECD übernommen.

          Besorgniserregend ist auch diesmal der hohe Anteil der Schüler, die nicht einmal die unterste Kompetenzstufe erreichen. Denn diese Schüler werden ihre Schul- und Berufsausbildung nur mit großen Schwierigkeiten oder gar nicht bewältigen. Entsprechend groß ist die Risikogruppe deutscher Schüler (21,6 Prozent), im internationalen Mittel sind es 21,4 Prozent. Wie bei der ersten Erhebung ist die Spitzengruppe mit 4,1 Prozent der Schüler vergleichsweise klein. In Finnland gehören 6,7 Prozent der Schüler zur Spitzengruppe, in Korea 8,1 und in Japan 8,2 Prozent, in Belgien sogar 9,0 Prozent. Der Leistungszuwachs bei den mathematischen Fähigkeiten im Vergleich zur ersten Pisa-Studie ist vor allem auf eine Leistungssteigerung der Gymnasiasten zurückzuführen, am alarmierendsten sind die Leistungen der Hauptschüler. Nur 55 Prozent der deutschen Schüler interessieren sich für das, was sie im Mathematikunterricht lernen. Hauptschüler sind wesentlich motivierter und haben mehr Freude an diesem Fach als Gymnasiasten.

          Nachholbedarf bei der Leseleistung

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