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Bildung : Ein Bund für die Schulen

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Die Föderalismusreform entpuppte sich für die Bundesländer nach und nach als Pyrrhussieg. Sie hatten nun zwar die alleinige finanzielle Verantwortung für ihre Schulen - aber sie hatten keine zusätzlichen Einnahmequellen aus Steuern bekommen, wie Scharpf das gewollt hatte. 2009 kam dann sogar noch die Schuldenbremse hinzu. Vor allem kleinen Bundesländern fehlt zusehends Geld, um ihrer Superschulkompetenz auch gerecht zu werden. Der Hochschulbau kostet Milliarden. Und die Grundfinanzierung der Hochschulen können sich nur reiche Länder wie Bayern und Baden-Württemberg leisten. Deswegen hilft der Bund den Ländern immer wieder in Ausnahmefällen, wie derzeit mit dem Hochschulpakt. Auch der Ausbau der Ganztagsschulen stellt viele Länder vor Belastungen, die sie kaum stemmen können.

Pädagogen fliehen in die innere Emigration

Die Organisation Teach First Deutschland schickt sogenannte Fellows in Brennpunktschulen. Begabte Hochschulabsolventen helfen vor ihrem Karrierestart zwei Jahre in Schulen aus, als Assistenten, als Hilfslehrer, als Mädchen für alles. Was die rund 130 Fellows in deutschen Gettoschulen beobachten, lässt sie am Sinn des Gleichheitssatzes im Grundgesetz zweifeln. „Den Schülern dort hilft niemand“, sagt der Chef von Teach First, Ulf Matysiak. „Da ist praktisch keiner da, der sich um die kümmert.“

Klar, die Lehrer tun auch in Schulen innerstädtischer Krisengebiete mit hohem Migrantenanteil und viel Arbeitslosigkeit ihren Dienst. Aber die soziale Mischung ist dort so deprimierend, dass viele Pädagogen in die innere Emigration fliehen. „Für diese Schulen braucht man mehr Engagement auf allen Ebenen“, fordert Matysiak, „andere Konzepte, mehr Geld, und das sehr gezielt eingesetzt für Schulsozialarbeiter und Lehrkräfte, die Förderunterricht geben und die Kinder begeistern.“ Wirklich unternommen wird aber wenig - weil den Ländern das Geld fehlt: „Es ist beschämend zu sehen, wie das reiche Deutschland sehenden Auges zwanzig Prozent seiner Schüler sich selbst überlässt“, sagt Matysiak.

Seit dem ersten Pisa-Test im Jahr 2000 hat sich nur an der Spitze der Bildungspyramide etwas geändert. Die Leistungen der Gymnasiasten haben sich in vielen Bundesländern verbessert. Die Zahl der Abiturienten ist drastisch gestiegen. Doch am Fuß geht es trostlos zu. Während fleißig Ausbildungsimporte aus Spanien und Frankreich angeworben werden, bleiben die Chancen deutscher Jugendlicher ohne oder mit schlechten Schulabschlüssen schlecht.

Mehr als 20.000 junge Leute sind gemäß der letzten Bilanz ohne Lehrstelle - und das, obwohl die Unternehmen händeringend nach Lehrlingen suchen. Die Autoren des Nationalen Bildungsberichts schlugen schon Alarm: Sie warnen vor einem „sich verfestigenden Sockel von Bildungsarmut“. Der Deutsche Gewerkschaftsbund beobachtet die Lage aufmerksam. Dem DGB ist nicht entgangen, wie sehr die Bundesländer damit überfordert sind, die soziale Spaltung im Bildungswesen zu lindern, genau: finanziell überfordert sind. „Die Rezepte sind bekannt“, sagt DGB-Vize Elke Hannack, eine Frau mit CDU-Parteibuch. „Wir müssen das Nachholen von Schul- und Berufsabschlüssen fördern. Und wir müssen die Warteschleifen im Übergang von der Schule in die Ausbildung abbauen. Das alles kostet Geld. Doch ausgerechnet der potenteste Geldgeber bleibt auf seinen Mitteln sitzen - der Bund.“

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