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Bildergalerie : Sechzig Jahre danach

Ein neues Feindbild

In der Personalisierung des Auseinandertreibens liegt ein Grund für die Giftigkeit, die Gehässigkeit und die Häme, die in das atlantische Verhältnis eingedrungen sind - so, wie Wasser in ein leckgeschlagenes Schiff eindringt. Aber diese Fixierung auf Personen - und damit auf die Hoffnung, nach einem Personalwechsel werde wenn nicht alles wieder gut, so doch vieles besser - verschleiert mehr, als sie zu erklären hilft.

Denn das Grunddatum der atlantischen Krise ist nicht der 20. Januar 2001, an dem Bush sein Amt antrat; die Wurzeln der politischen Entfremdung - und letztlich auch der Beteiligungsmuster am Irak-Konflikt - reichen weiter zurück, bis zum 9. November 1989, als die Mauer stürzte. Damals, und erst recht durch die Implosion der Sowjetunion, wurden Amerika und Europa eines Feindbildes beraubt, das sie disziplinierte und in eine gemeinsame Strategie einfügen ließ. Danach, nach dem Ende des Kalten Kriegs, bogen die beiden Partner auf verschiedene Entwicklungsbahnen ein.

Zusammenprall nach dem „11. September“

Diese Verschiedenheit wurde verstärkt durch das zweite entscheidende Datum, den „11. September“. Die Terroranschläge in Amerika und das verbreitet ungute Gefühl der Europäer angesichts der politischen und militärischen Reaktion der Regierung Bush mündeten letztlich in eine Konfrontation. Europäer haben sich auch früher über amerikanischen Unilateralismus beschwert, Amerikaner sich an der europäischen Mischung aus Selbstüberschätzung und Leistungsunwilligkeit gestoßen.

Aber erst nach dem „11. September“ wurden die innerwestlichen Gegensätze im politisch-kulturellen Stil und in der politisch-strategischen Substanz - als Folge aus der ungleichen Verteilung von Machtmitteln - unübersehbar. In der Irak-Krise prallten sie zusammen. Es wird großer Anstrengungen bedürfen, damit sich beide von diesem Zusammenprall erholen.

Gegenseitige Idealisierung

Es kann gut sein, daß der Kalte Krieg für den Westen eine Zeit der gegenseitigen Idealisierung war; Amerikaner und Europäer nahmen einander als vertraut wahr und übersahen die (großen) Unterschiede, die es auch damals gab. Heute fallen den meisten Leuten beim Blick über den Atlantik fast nur noch Unterschiede auf und kaum Gemeinsamkeiten. Das ist, wegen der politischen Konsequenzen, ein irritierender Befund.

Vermutlich müssen sich beide Seiten, Amerikaner und die in der Europäischen Union organisierten Europäer, darauf einstellen, daß atlantische Rivalität und Wettbewerb im Fach der weltpolitischen Ordnungsentwürfe künftig nicht mehr die Ausnahme bleiben werden. Aber selbst, wenn es so kommen sollte: Es bleibt unbestreitbar richtig, daß sie am meisten als Partner ausrichten können. Unter den Bedingungen der Gegenwart und in Anerkennung des Wandels, der sich vollzogen hat, kann diese Partnerschaft nur funktionieren, wenn beide Seiten in sie investieren und wenn sie ihnen nützt. Wenn nicht, dann erlöscht der Westen.

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