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Aserbaidschan übergibt Leichen : Bewohner in Nagornyj Karabach zünden ihre Häuser an

  • Aktualisiert am

Über einem Dorf im Bezirk Kalbajar wabern am Freitag Rauchschwaden Bild: AP

Die Häuser dürfen nicht den Aserbaidschanern in die Hände fallen, sagen die Besitzer. Bis zum Dezember sollen die Gebiete von Armenien übergeben werden. Derweil übergibt Aserbaidschan mehrere getötete Soldaten an Armenien.

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          Nach der Ankunft russischer Truppen in der Konfliktregion Nagornyj-Karabach im Südkaukasus hat Aserbaidschan mehrere getötete Soldaten an Armenien übergeben. Dabei handele es sich um Streitkräfte, die während der Kämpfe um die von Aserbaidschan zurückeroberte Stadt Schuscha ums Leben gekommen waren, teilte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium am Samstag in der Hauptstadt Baku mit.

          Eine Zahl wurde zunächst nicht genannt. Im Gegenzug habe Armenien sechs getötete Soldaten an Aserbaidschan übergeben. Der Austausch von Leichen war zu Wochenbeginn in einem Abkommen über ein Ende aller Kampfhandlungen vereinbart worden.

          Nach Angaben des armenischen Gesundheitsministeriums in der Hauptstadt Eriwan sind bislang die Leichen von mehr als 2300 Gefallenen forensisch untersucht worden. Darunter seien Leichen, die bislang noch nicht identifiziert worden seien, teilte das Ministerium auf Facebook mit. Die Karabach-Behörden gaben die Zahl der getöteten Soldaten zuletzt mit 1383 an. Das aserbaidschanische Militär machte bislang mit Blick auf die Zensur während des Kriegsrechts keine Angaben zu den Verlusten in den eigenen Reihen.

          „Alle werden heute ihr Haus abbrennen“

          In der Kaukasusregion Nagornyj Karabach haben armenische Dorfbewohner unterdessen am Samstag ihre Häuser angezündet, damit sie nicht den Soldaten aus Aserbaidschan in die Hände fallen. Im Dorf Charektar im Bezirk Kalbajar, der laut einem Waffenstillstandsabkommen am Sonntag an Aserbaidschan übergeben werden muss, standen am Samstagmorgen mindestens sechs Häuser in Flammen.

          „Heute ist der letzte Tag, morgen werden die aserbaidschanischen Soldaten da sein“, sagte ein Soldat. Ein Hausbesitzer, der mit brennenden Holzscheiten den Fußboden in seinem Wohnzimmer in Brand setzte, sagte, er werde sein Haus nicht den Aserbaidschanern überlassen. „Alle werden heute ihr Haus abbrennen.“ Schon am Freitag hatten in Charektar und Umgebung dutzende Häuser in Flammen gestanden.

          Die verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan hatten sich unter russischer Vermittlung in dieser Woche nach wochenlangen schweren Kämpfen auf einen Waffenstillstand in Nagornyj Karabach geeinigt. Armenien hat sich verpflichtet, die Kontrolle über große Gebiete an Aserbaidschan zu übergeben. Bis Sonntag muss es die Kontrolle über den Bezirk Kalbajar abgeben. Folgen sollen dann noch die Bezirke Aghdam bis zum 20. November und Latschin bis zum 1. Dezember.

          Bild: F.A.Z.

          Nagornyj Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er Jahren ein Krieg mit 30.000 Todesopfern. Die selbsternannte Republik wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Die Kämpfe waren Ende September wieder voll entbrannt. Seither wurden nach Angaben beider Seiten mehr als tausend Menschen getötet.

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