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Besuch in Berlin : Der vielschichtige Emir

Erklärungsbedarf: Bundeskanzlerin Merkel mit dem Emir von Qatar, Tamim al Thani Bild: Getty

Qatar wird verdächtigt, die Dschihadisten des „Islamischen Staats“ unterstützt zu haben. Auch in der deutschen Regierung ist es deshalb strittig, ob das Land Partner oder Problemstaat ist - was sich auch nach dem Besuch des Emirs in Berlin nicht ändern dürfte.

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          Dass sich die Staaten der islamischen Welt aus westlicher Sicht nicht einfach in gut und böse einteilen lassen, ist für die Bundeskanzlerin keine neue Erfahrung. Angela Merkel illustriert dies am Mittwoch nach einem Gespräch mit Tamim Bin Hamad al Thani, dem Emir von Qatar, auf ihre Weise: Mit der Golfmonarchie gebe es „gute und intensive wirtschaftliche Beziehungen“, sagt sie – und zwar nicht nur Handelsbeziehungen, sondern auch Investitionen Qatars in deutsche Unternehmen. „Wir freuen uns über jedes qatarische Investment“, sagt sie. Deutschland habe eine Vielzahl an Angeboten im Bereich der Infrastruktur – „hier sind wir an vielen Aufträgen interessiert“.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Sodann widmet sich Merkel der Sicherheitslage in der Region: Der Emir habe „glaubwürdig versichert“, dass der Kampf gegen die Extremisten auch im Interesse seines Landes sei. Hier gebe es „eine breite Gemeinsamkeit, dass wir diese Art von Intoleranz, Brutalität und Kampf gegen alle Andersdenkenden nicht akzeptieren können“. Der Hinweis galt der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), über die es im Westen immer wieder heißt, sie sei direkt oder indirekt durch oder aus Qatar unterstützt worden. Auf diesen Vorwurf ist der Emir vorbereitet, schließlich hatte sogar der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller mit dem Finger auf Qatar gezeigt, was die Einbestellung der deutschen Botschafterin in Doha zur Folge hatte: „Qatar hat nie und wird niemals terroristische Organisationen unterstützen“, sagt Tamim, der mit Blick auf das Regime von Baschar al Assad auch auf das syrische Dilemma hinweist: Die Bevölkerung stehe jetzt vor der „Wahl zwischen Terrorismus und Tyrannei“. Merkel lobt, dass Qatar Teil der von Washington gebildeten Allianz gegen die Terroristen sei, und fügt mit Blick auf die Distanzierung vom IS an, sie habe „keinen Grund, den Aussagen des Emirs nicht zu glauben“.

          In der qatarischen Delegation wird zur Untermauerung bemerkt: „Hätten uns unter diesen Bedingungen die Vereinigten Staaten und Europäer gebeten, dass wir uns am Krieg gegen den ‚Islamischen Staat‘ beteiligen?“ Und: „Weshalb sollten wir denn die Weltmeisterschaft 2022 in Qatar und unsere Investitionen von mehr als 180 Milliarden Dollar gefährden?“ Qatar hebt hervor, lediglich Gruppen, die zur „Freien Syrischen Armee“ gezählt werden, zu unterstützen. Probleme seien aber entstanden, da die westlichen Staaten keine Waffen an die syrische Opposition liefern wollten, das hätten dann vor allem Qatar und die Türkei getan. Von Süden her lieferten Jordanien und vor allem Saudi-Arabien Waffen, von Norden her die Türkei und Qatar.

          Zudem hält sich Qatar zugute, dass es – von der Türkei abgesehen – 70 Prozent der humanitären Leistungen für die syrischen Flüchtlinge erbringt. Auf qatarische Vermittlung geht darüber hinaus die Freilassung etwa der von der islamistischen Nusra-Front entführten Nonnen aus einem Kloster der syrischen Stadt Maalula zurück. Sie wurden im Austausch mit gefangenen Frauen aus syrischen Gefängnissen freigelassen. Der Westen habe weder zum syrischen Regime Kontakte noch zur Nusra-Front, Qatar genieße offenbar aber auf beiden Seiten weiter Vertrauen, heißt es.

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