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Berühmte Herrchen : Hunde, wollt ihr Geschichte machen?

  • -Aktualisiert am

Auch ein Hundefreund: Kohl mit dem Hund des australischen Generalgouverneurs Bild: picture-alliance / dpa

Ob Napoleon oder Hitler, ob Wagner oder Freud, ob Präsidenten oder Kanzler: Ein jeder hatte seinen treuen vierbeinigen Begleiter. Und ohne den wäre so manch Großer ein Kleinerer geblieben.

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          Wenn ein Hund nicht gewesen wäre, hätte Napoleon nie sein Waterloo erlebt. Die Schlacht wäre ausgefallen, weil der Kaiser der Franzosen auf dem Meeresgrund vor Elba läge und nicht, wie heute, im Pariser Invalidendom. Wenig kaiserlich hatte Napoleon auf der Barkasse zu dem Schiff, das ihn nach Frankreich bringen sollte, das Gleichgewicht verloren und war ins Wasser gestürzt. Dort strampelte er nun in seiner Uniform mit dem Säbel, der ihn in die Tiefe zog. Seine Soldaten gafften. Da sprang der Neufundländer eines Fischers dem Ertrinkenden nach. An ihm konnte sich Napoleon festhalten, bis sich die Soldaten doch noch dazu aufrafften, ihren Kaiser aus dem Wasser zu ziehen.

          „Die Ironie ist“, sagt Stanley Coren, Hundefachmann, Hundenarr und Psychologieprofessor an der University of British Columbia, „daß Napoleon von einem Hund gerettet wurde, aber Hunde haßte“. Schließlich war der kurze Korse Jahre zuvor just in dem Moment von „Fortune“, dem Spaniel seiner Frau Josephine, in die Wade gebissen worden, als er in der Hochzeitsnacht zur Tat schritt. Der Biß wirkte nach. Er war der Ausgangspunkt für des Kaisers Abneigung gegen alles Hündische, die darin gipfelte, daß er Hundebesitzern per Gesetz verbieten ließ, ihre Vierbeiner Napoleon zu nennen.

          Schwanzwedeln für Wagner höchstes Kritikerlob

          Damit ist Bonaparte freilich nur die prominente Ausnahme von Stanley Corens Großthese: „Der wichtigste Beitrag von Hunden zur Historie besteht darin, hohe Amtsträger zu unterstützen und zu trösten, die sich naturgemäß schwer damit tun, Vertrauensverhältnisse aufzubauen.“ Genau damit hätten Hunde aber die Geschichte verändert, erzählt Coren mit Emphase: indem „sie den einzelnen Menschen veränderten“.

          George Bushs Hunde Barney und Spot vor Weißem Haus

          Dieser seiner These spürt der Professor auch in seinem gerade erschienenen Buch „Hunde, die Geschichte schrieben“ nach. Er berichtet etwa von General Custers schottischem Deerhound „Tuck“, der auch dann noch treu an der Seite seines Besitzers blieb, als diesem bei der Schlacht am Little Big Horn die Sioux-Pfeile um die Ohren pfiffen. Oder von „Peps“, dem Spaniel, mit dem zu Füßen Richard Wagner den „Tannhäuser“ komponierte; nicht seiner Frau, sondern seinem Hund sang und spielte der Maestro zuerst neu komponierte Passagen vor. Denn ein Schwanzwedeln von „Peps“ bedeutete für Wagner das höchste Kritikerlob.

          Der beste Freund des Unmenschen

          Es sind Miniaturporträts von Herren mit Hunden, die Stanley Coren zu einer eigenwilligen Kulturgeschichte collagiert. Eine Geschichte, für die sich die meisten Historiker bislang kaum interessiert hätten, so sagt der Professor, weil sie „dazu neigen, nur große politische und ökonomische Entwicklungen wahrzunehmen“. Etwas so Alltägliches wie der Hund werde da gerne übersehen. Doch weil Coren Hunde so liebt, ist das Bindeglied zwischen den meisten seiner Episoden wohl auch die Frage nach dem „Was wäre wenn“, die sich nur erlaubt, wer eine Hommage schreibt: Was wäre beispielsweise aus der Psychoanalyse geworden, wenn Sigmund Freud nicht „Jofi“ gehabt hätte, der bei vielen Therapiesitzungen dabei war und Depressionen zu erschnuppern schien? Coren will nicht beantworten, was keiner beantworten kann. Seine Botschaft ist simpler, sie heißt: Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Aber auch des Unmenschen, wie Adolf Hitlers Vernarrtheit in seine Schäferhündin Blondi beweist.

          Bisweilen hoffen die Herrchen sogar, mit Hilfe ihrer Hunde ihre eigene Geschichte ein wenig umzuschreiben. Bill Clinton etwa versuchte mit der Anschaffung des Labrador Retrievers „Buddy“ vergeblich, während der Lewinsky-Affäre sein Image aufzupolieren. Man sollte es aber auch nicht übertreiben mit der Hunde-PR: Als Barbara, die Frau von Clintons Vorgänger George Bush Senior, ein Buch aus der Perspektive von Georges Hund „Millie“ schrieb, fanden viele Medien plötzlich, „Millie“ habe mehr Charisma als George. „Millie“ schaffte es sogar auf das Cover des Magazins „Life“.

          „Als Hund eine Katastrophe“

          Selbst ein peinlicher Talkshowauftritt, bei dem sie wenig repräsentativ ins Studio urinierte, konnte ihrer Beliebtheit keinen Abbruch tun. Droht Georg W., dem Sohn und jetzigen Präsidenten, nun vielleicht dasselbe Schicksal? So richtig mag den auf der Welt ja mittlerweile keiner mehr, während sein Scottisch Terrier „Barney“ dank einer Internet-Videoserie schon fast genauso bekannt ist wie „Millie“.

          In Deutschland wird Hundeliebe im Staatsamt selten öffentlich zur Schau gestellt. Bekanntestes Beispiel ist wohl „Scooter“, der Feld-Wald-und-Wiesen-Mischling von Johannes Rau, der, so sein Herrchen, „als Hund eine Katastrophe, aber als Mensch große Klasse“ gewesen sein soll. Oder wer erinnert sich nicht gerne an die Hund-Accessoire-Serie, die Doris Schröder-Köpf und ihr Border-Terrier „Holly“ vor zwei Jahren kreierten? Antwort: Gerhard Schröder. Denn der Adventskalender, auf dem „Holly“ so traurig aus einer Nikolausmütze schaut, als hätte man ihm den Kauknochen weggenommen, führte eher zur allgemeinen Erheiterung als zur Solidarisierung der Massen mit dem Machtmenschen Schröder. Kaum ein Jahr später wurde er abgewählt. Ob das ohne „Holly“ auch passiert wäre? Schon wieder so eine „Was wäre wenn“-Frage mit Hund.

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