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Bertram Eisenhauer : White Obama

  • Aktualisiert am

Bild: Mart Klein

Obama gewann mehr Stimmen von Weißen als Al Gore und John Kerry, und selbst viele Evangelikale gaben ihm ihre Stimme. Obamas Hautfarbe könnte ihm am Ende geholfen haben - weil auch viele Weiße gern in einem Land leben möchten, in dem ein Schwarzer Präsident werden kann.

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          Es war das ganz große Geheimnis vor der Wahl: Wie viele von Amerikas weißen Wählern, die bei den Demoskopen von ihrer Sympathie für den Demokraten gesprochen hatten, würden in der Stille der Wahlkabine den Rassisten in sich entdecken und für den anderen Kerl stimmen? Und dann, als die Stimmen gezählt waren: keine Spur von solcher Umkehr. Obama gewann zwar nicht die Mehrheit der weißen Wähler - aber das ist seit 1964 keinem Demokraten mehr gelungen. Er gewann sogar mehr Stimmen von Weißen als Al Gore und John Kerry, und die waren, wenn die Erinnerung nicht täuscht, keine Afro-Amerikaner, oder? Selbst unter weißen Evangelikalen fand Obama Fans.

          „New York Times“-Kolumnist Thomas Friedman sah gar genau die entgegengesetzte Tendenz am Werk: „Weiße Republikaner, die ihren Kumpels im Steakrestaurant des Country-Clubs erzählten, sie würden für McCain stimmen - und die dann heimlich für Obama votierten.“ Warum? Weil sie die Begeisterung ihrer Kinder für den Charismatiker gesehen hätten „und diese nicht nur nicht kaputtmachen, sondern sie im Geheimen teilen wollten“. Weil eine Stimme für McCain die Inkompetenz der Regierung Bush belohnt hätte.

          „Natürlich“, so Friedman, „bedurfte es einer Wirtschaftskrise, wie man sie nur einmal alle 100 Jahre erlebt, um genug weiße Wähler davon zu überzeugen, für einen Schwarzen zu stimmen.“ Es ist das Geheimnis seines Erfolges (neben seinem Zug bei Frauen, Schwarzen, College-Kids, Latinos, gemäßigten und unabhängigen Wählern): Auch viele Weiße sahen Obama als jemanden, der den Wandel bringt. Am Ende könnte seine Hautfarbe ihm insgesamt ein Plus beschert haben; auch der eine oder andere Weiße will in einem Land leben, in dem ein Schwarzer Präsident werden kann. Dass Obama kein „angry black man“ war, sondern unbedrohlich daherkommt - das half auch.

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