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Berliner Flüchtlingsunterkunft : Im Shuttle-Bus zur Dusche

  • Aktualisiert am

Aufbau der Flüchtlingsunterkunft in einem ehemaligen Hangar des Flughafens Tempelhof Bild: dpa

Im ehemaligen Flughafen Tempelhof entsteht die größte Flüchtlingsunterkunft Berlins. In offenen Kabinen sollen bis zu 12 Personen schlafen. Privatsphäre gibt es praktisch nicht.

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          In Berlins größter Notunterkunft für Flüchtlinge, auf dem früheren Flughafen Tempelhof, leben bald 2300 Menschen auf engem Raum. Seit Sonntag werden auch Menschen in einem zweiten Hangar mit der Nummer 3 einquartiert; 840 Personen können dort wohnen. Die meisten sind Männer und kommen aus Syrien, Afghanistan und Pakistan, weitere stammen aus dem früheren Jugoslawien, aus Iran und Afrika. Am Montagvormittag wurden zusätzlich Küchen und Aufenthaltsräume eingerichtet. Die ersten Kabinen mit Doppelstockbetten waren bereits belegt.

          Ein erster Hangar mit der Nummer 1 ist mit 660 Menschen schon voll belegt, ein dritter Hangar (Nr. 4) wird für weitere etwa 800 Menschen vorbereitet, wie Berlins Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Montag bei einem Rundgang sagte. Die anderen vier Flugzeuggaragen kommen nicht in Betracht, weil sie zum Teil für Veranstaltungen gebraucht werden. Geplant ist die Unterbringung von Flüchtlingen in dem Flughafengebäude mindestens bis zum nächsten Jahr. Anders lässt sich der Andrang nicht bewältigen.

          Bis zu sechs Doppelstockbetten stehen in einer Zelle von Hangar 3. Bilderstrecke

          In diesem Jahr hat Berlin laut Czaja bereits rund 52.000 Flüchtlinge aufgenommen. Pro Tag kämen derzeit etwa 600 bis 700 neue Asylbewerber in die Hauptstadt. Allerdings verlässt auch eine beträchtliche Anzahl von Flüchtlingen Berlin wieder.

          Privatsphäre gibt es nicht

          Czaja appellierte an Brandenburg, Berlin zu helfen. Allein seit Anfang September kamen 30.000 Menschen. „Irgendwann werden wir an Grenzen geraten“, sagte er. Daher müsse man zu einer gemeinsamen Lösung kommen und Flüchtlinge aus Berlin auch in leerstehenden Gebäuden in Brandenburg unterbringen. In den ostdeutschen Bundesländern stünden eine Million Wohnungen leer.

          Im alten Flughafen sollen die neu angekommenen Flüchtlinge eigentlich nur die ersten ein oder zwei Wochen bleiben, bis sie in bessere Unterkünfte ziehen können. Weil es aber nicht genügend bessere Gemeinschaftsunterkünfte gibt, müssen viele wohl länger ausharren. In dem riesigen Hangar 3 leben die Flüchtlinge jeweils zu acht oder zwölft in kleinen Kabinen, die an Messestände erinnern. Vier oder sechs Doppelstockbetten aus Metall oder Holz stehen auf zum Teil sehr engem Raum. Privatsphäre gibt es nicht.

          Sozialarbeiter und Integrationshelfer sollen das Einleben der Menschen unterstützen und helfen, Konflikte zu lösen. Zum Duschen müssen viele Menschen mit einem Shuttle-Bus an andere Orte gebracht werden. Zwei Männer aus Iran berichteten Czaja von ihrer Auswanderung und dem langen, mühsamen und zum Teil gefährlichen Weg nach Deutschland. Sie seien vor allem gekommen, weil es in Iran aus wirtschaftlichen Gründen schwierig sei. Ein Mann fühlte sich in seiner Heimat auch als Nicht-Muslim diskriminiert.

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