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Berlin : Tausende demonstrieren gegen Antisemitismus

  • Aktualisiert am

Tausende kamen zur Demonstration ans Brandenburger Tor Bild: dpa

Bundeskanzlerin Merkel hat auf einer Kundgebung in Berlin „jede Form von Judenfeindlichkeit“ scharf verurteilt. Der Zentralratsvorsitzende Graumann wünschte sich „mehr Empathie“ von den Deutschen.

          In Berlin haben am Sonntag mehrere tausend Menschen gegen Antisemitismus in Deutschland und Europa demonstriert. An der Kundgebung unter dem Motto „Steh auf! Nie Wieder Judenhass“ vor dem Brandenburger Tor, zu der der Zentralrat der Juden in Deutschland geladen hatte, nahmen unter anderen Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) teil. Während des jüngsten Krieges im Gazastreifen war es bei pro-palästinensischen Demonstrationen in ganz Europa wiederholt zu antijüdischer Hetze gekommen.

          In ihrer Rede verurteilte Merkel im Namen der Bundesregierung „jede Form von Judenfeindlichkeit in Deutschland und Europa auf das Schärfste“. Dass heutzutage Menschen wegen ihres jüdischen Glaubens angepöbelt würden, „das ist ein ungeheurer Skandal“. Sie betonte, dass die deutschen Behörden mit aller Härte gegen antisemitische Drohungen und Gewalt vorgingen: „Wir wollen, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlen“, sagte Merkel. Das jüdische Leben sei Teil der deutschen Kultur und jedwede Form von Diskriminierung und Ausgrenzung von Juden werde nicht akzeptiert. Ein Angriff auf jüdisches Leben sei ein Angriff auf jeden einzelnen. „Jüdische Freunde, Nachbarn, Kollegen - sie sind in Deutschland zu Hause.“

          Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, zeigte sich erfreut über die große Beteiligung an der Kundgebung. Zugleich sei es traurig, dass eine solche Kundgebung überhaupt nötig und erst durch das Engagement der jüdischen Gemeinde möglich geworden sei. Mit Blick auf die judenfeindlichen Parolen bei pro-palästinensischen Demonstrationen sagte Graumann, er wolle nicht dramatisieren, „aber das waren wirklich die schlimmsten antisemitischen Parolen seit vielen, vielen Jahrzehnten“. In dieser Situation hätten sich die deutschen Juden „ein Stück mehr Gefühl, mehr Empathie“ der Gesellschaft gewünscht.

          Graumann wandte sich in seiner Rede dagegen, dass immer wieder die Politik des Israel als Grund für Antisemitismus vorgeschoben werde: „Wer wegen Israel zum Antisemiten wird, der war längst einer“, sagte Graumann. Auch wandte er sich dagegen, dass immer wieder gefordert werde, die in Deutschland lebenden Juden sollten kritischer gegenüber Israel auftreten: „Wir sollen uns die Freiheit von Antisemitismus verdienen, indem wir uns von Israel distanzieren.“ Graumann betonte zugleich die jüdische Unterstützung für den Staat Israel. „Wenn es um Israel geht, da sind wir Juden einfach nicht neutral. Unsere Neutralität endet immer spätestens dort, wo die Sicherheit von Israel beginnt.“

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