https://www.faz.net/-gpf-85wvp

Berichte über Wikileaks-Papier : Minister Steinmeier offenbar systematisch von der NSA abgehört

  • Aktualisiert am

Auch Minister Steinmeier soll von der NSA abgehört worden sein. Bild: dpa

Neue Dokumente der Enthüllungsplattform Wikileaks sollen Ausforschung des Auswärtigen Amtes belegen. Demnach soll auch Minister Steinmeier von der NSA abgehört worden sein.

          1 Min.

          Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist einem Zeitungsbericht zufolge offenbar systematisch vom amerikanischen Geheimdienst NSA abgehört worden. Das geht aus neuen Dokumenten der Enthüllungsplattform Wikileaks hervor, die der „Süddeutschen Zeitung“ sowie dem Nord- und dem Westdeutschen Rundfunk laut einer Mitteilung vom Montag zugänglich gemacht wurden. Demnach stand auch ein Handy, das die NSA Steinmeier zuordnete, auf der Ausspähliste.

          Wikileaks dokumentiere auch ein Abhörprotokoll eines Gesprächs oder Telefonats Steinmeiers vom 29. November 2005, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Mit wem er damals gesprochen habe, bleibe unklar. Unmittelbar vor einer Amerika-Reise Steinmeiers hatten Medien über CIA-Entführungsflüge und -Gefängnisse in Europa berichtet. Die Zusammenfassung des Gesprächs erweckt laut “Süddeutscher Zeitung“ den Eindruck, dass Steinmeier damals eher zufrieden darüber war, von der amerikanischen Seite keine klaren Antworten zu der Angelegenheit erhalten zu haben: „Er schien erleichtert“, heißt es demnach in dem Protokoll.

          Die neuen Unterlagen deuten dem Blatt zufolge auf einen jahrelangen Lauschangriff der NSA auf das Auswärtige Amt hin. Auf der Liste stünden insgesamt 20 Nummern - darunter auch mehrere Telefonnummern, welche die NSA Steinmeier zugerechnet habe. Möglicherweise stand auch Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) auf der Liste. Dort befindet sich dem Zeitungsbericht zufolge ein Eintrag „Fischer“. Ob es sich um eine alte Nummer Fischers handelte oder ob es um einen Namensvetter im Auswärtigen Amt ging, sei unklar.

          In den vergangenen Wochen hatte Wikileaks bereits zahlreiche Spähziele der NSA im Kanzleramt und in Bundesministerien veröffentlicht. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele forderte die Bundesregierung und die Geheimdienste nach den neuen Enthüllungen vom Montag auf, dem Parlamentarischen Kontrollgremium zeitnah zu berichten. „Sie müssen sagen, was sie nun tun, um die Spionage aufzuklären und Schaden abzuwenden“, forderte er. Es stelle sich überdies die Frage, ob Steinmeier „2006 tatsächlich nicht auf der Beantwortung von Fragen nach amerikanischen Rendition-Flügen über Deutschland bestanden“ habe.

          Weitere Themen

          EU-Länder planen Sanktionen

          Verstöße gegen Libyen-Embargo : EU-Länder planen Sanktionen

          Im Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Bürgerkrieg. Deutschland, Frankreich und Italien wollen die anhaltenden Waffenlieferungen in das Land nun mit EU-Sanktionen eindämmen.

          Topmeldungen

          Seit fast zehn Jahren herrscht im Libyen Bürgerkrieg.

          Verstöße gegen Libyen-Embargo : EU-Länder planen Sanktionen

          Im Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Bürgerkrieg. Deutschland, Frankreich und Italien wollen die anhaltenden Waffenlieferungen in das Land nun mit EU-Sanktionen eindämmen.
          Am Tag der Präsidentschaftswahlen bewacht ein Soldat der Sonderpolizei einen Kontrollpunkt an einer Straße am Stadtrand von Minsk.

          Wahl in Belarus : Der Dauerherrscher greift durch

          Bei der Präsidentenwahl in Belarus soll Amtsinhaber Lukaschenka offiziellen Prognosen zufolge 80 Prozent der Stimmen erhalten haben. Inoffizielle Nachwahlbefragungen hat das Regime verboten. Am Abend nach der Wahl geht das Regime mit Härte gegen Demonstranten vor.

          Trump eskaliert gegen China : Umgang mit Schurken

          Der Umgang des amerikanischen Präsidenten mit der chinesischen Videoplattform Tiktok verärgert Peking schwer. Er muss aber auch alte Freunde verunsichern: Was hindert Trump eigentlich daran, Daimler oder VW die Geschäftstätigkeit in den Vereinigten Staaten zu untersagen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.