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Benedikt XVI. zu Mohammed : Türkei fordert vom Papst eine Entschuldigung

  • Aktualisiert am

Benedikt XVI.: Umstrittene Vorlesung Bild: dpa

Äußerungen des Papstes zum Islam während seines Besuches in Bayern haben in der muslimischen Welt Empörung hervorgerufen. Der Chef der türkischen Religionsbehörde spricht von „Kreuzfahrermentalität“ und einer „feindseligen Haltung“. Benedikt XVI. kehrte indes zurück nach Rom.

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          Äußerungen des Papstes zum Islam während seines am Donnerstag zu Ende gegangenen Deutschland-Besuches haben in der muslimischen Welt Kritik und Empörung hervorgerufen. Das staatliche türkische Religionsamt forderte am Donnerstag eine Entschuldigung von Benedikt XVI. Auch muslimische Verbände in anderen Ländern zeigten sich irritiert.

          Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte am Dienstag in der Universität Regensburg aus einem mittelalterlichem Streitgespräch zwischen dem byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos und einem persischen Theologen zitiert. „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“, zitierte er den Kaiser. Der Papst hatte das eine „erstaunlich schroffe“ Art und Weise genannt, die Frage nach dem „Verhältnis von Religion und Gewalt“ zu stellen. Er zitierte einen Herausgeber der Reflexionen des Kaisers mit den Worten, der muslimische Gott sei „an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit“.

          „Feindselige Haltung“

          Der Chef der türkischen Religionsbehörde, Ali Bardakoglu, sagte nach Angaben der Agentur Anadolu, die Papst-Äußerungen müßten zurückgenommen werden. Benedikt XVI. habe eine „Kreuzfahrermentalität“ und eine „feindselige Haltung“ an den Tag gelegt. Die Christen sollten erst einmal erklären, wie ihre Religion mit der Vernunft in Einklang gebracht werden könne.

          Papst : Letzter Tag des Papstbesuchs

          Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte der Zeitung „Tagesspiegel“, es falle ihm „schwer zu glauben“, daß der Papst „gerade im Verhältnis zur Gewalt die Grenze zwischen Islam und Christentum“ sehe. Schließlich sei auch die Geschichte des Christentums blutig gewesen - „man denke nur an die Kreuzzüge oder die Zwangsbekehrungen“.

          Der Vorsitzende des deutschen Islamrats, Ali Kizilkaya, verwies darauf, daß Benedikt XVI. zu Beginn seines Besuchs an die Politik appelliert habe, den Dialog der Kulturen und Religionen zu verstärken. Das sei allerdings „kein positiver Beitrag dazu“. „Wenn wir alle in die historische Kiste greifen wollten, dann wäre der Dialog kaum möglich.“ Der Vorsitzende des französischen Islamrats, Dalil Boubakeur, verlangte vom Papst eine „Klarstellung“. Die katholische Kirche müsse deutlich machen, daß sie den Islam als Religion sehe und nicht mit dem Islamismus gleichsetze, der eine „politische Ideologie“ sei, sagte Boubakeur. Kritik gab es auch aus Kuweit, Marokko und Pakistan.

          Abschied aus Bayern

          Benedikt verabschiedete sich am Donnerstag aus Deutschland mit Bemerkungen zum Wert der Arbeit. Sie sei eine „fundamentale Dimension menschlicher Existenz auf Erden“. Er tat dies aus Anlaß des 25. Jahrestages der Veröffentlichung der Arbeits-Enzyklika „Laborem exercens“ am 14. September 1991. Darin hatte Johannes Paul II. daran erinnert, daß „die erste Grundlage für den Wert der Arbeit der Mensch selbst ist, weil er durch die Arbeit nicht nur die Natur umwandelt und seinen Bedürfnissen anpaßt, sondern auch sich selbst als Mensch verwirklicht, ja gewissermaßen mehr Mensch wird“. Er weise darauf hin, so Benedikt, „weil ich sicher bin, daß seine praktische Anwendung auch für die heutige gesellschaftliche Situation Deutschlands von großem Nutzen sein kann“. Mit einem „herzlichen Vergelt's Gott und Auf Wiedersehen, so Gott will“ am Schluß nährte der 79 Jahre alte Papst Hoffnungen auf einen neuen Besuch in Bayern, in Deutschland, in der Heimat.

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