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Benedikt XVI. in Israel : Von Scharfschützen bewacht, für den Frieden beten

Moment der Stille: Papst Benedikt XVI. verharrt zum Gebet an der Klagemauer Bild: dpa

Die Eintrittskarten für den ersten großen Auftritt des Papstes im Heiligen Land haben bei weitem nicht gereicht. Fast 30.000 israelische Polizisten hatten das Gelände abgeriegelt. Die jubelnde Menschenmenge tat dem Papst sichtlich gut - zumal nach der teils harschen Kritik an seinem Auftreten.

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          Bei Papst Benedikt war nichts zu machen, bei „Depeche Mode“ gab es dagegen noch einige Restkarten. Den Vergleich mit der britischen Popband, die vor zwei Tagen in Tel Aviv aufgetreten war, musste das Kirchenoberhaupt nicht scheuen: Die kostenlosen Eintrittskarten für seinen ersten großen öffentlichen Auftritt im Heiligen Land waren schon seit Wochen vergeben. Für bis zu 5000 Gläubige war vor dem Altar im Garten Gethsemane Platz. Obwohl es am Dienstag aus der Ferne so aussah, als hätten noch mehr Menschen kommen können, ließen die israelischen Sicherheitskräfte niemand ohne Zugangsberechtigung durch - Sicherheit hatte Vorrang. Schon Stunden zuvor hatten sie den Ort, an dem einst Jesus seine letzte Nacht verbrachte, hermetisch abgeriegelt.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Fast 30 000 Polizisten sind seit Montag in Jerusalem im Einsatz. Sonst eher für ihr ruppiges Auftreten bekannt, waren die Beamten am Dienstag an den Kontrollpunkten zwar zu keinen Kompromissen bereit, blieben aber oft ungewohnt freundlich. Das sollen sie nach dem Willen der Regierung auch sein: Fernsehbilder friedlich und sicher feiernder Menschen sollen im Ausland die Erinnerung an den Krieg in Gaza in den Hintergrund drängen, mit dem viele Israel seit Jahresbeginn in Verbindung bringen.

          Die jubelnde Menschenmenge unterhalb der Stadtmauer war ein Anblick, der auch Papst Benedikt sichtlich wohltat, als er am Nachmittag im Papamobil auf dem mit knorrigen alten Olivenbäumen bestandenen Gelände winkend durch die dichtgedrängten Reihen fuhr. Bis dahin hatte er praktisch nur die politische und religiöse Prominenz getroffen. Von den anderen Einwohnern Jerusalems und den Tausenden Pilgern konnte er hinter den dunkel verglasten Fenstern der israelischen Regierungslimousine kaum etwas sehen - ebensowenig wie sie von ihm. Je länger die Messe auf der mit überlebensgroßen Bildern der Leidensgeschichte Jesu ausgemalten Bühne dauerte, desto entspannter wirkten seine Züge, nach eineinhalb schwierigen Tagen in Israel.

          Die Messe des Papstes am Fuße des Ölbergs wurde auf riesigen Videoleinwänden übertragen

          Herbe Kritik an Benedikt

          Denn als Benedikt am Dienstagmorgen aufgestanden war, schlug ihm fast nur Kritik entgegen. Als enttäuschend bezeichneten Kommentatoren seine Ansprache in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Montagabend. Lob erhielt er nur für sein Verhalten nach einem Eklat während eines Treffens, mit dem er eigentlich den interreligiösen Dialog unterstützen wollte: Dort hatte der Chef der Scharia-Gerichte der palästinensischen Autonomiebehörde, Scheich Taisir Tamimi, das Wort ergriffen, minutenlang Israel beschimpft und der Armee vorgeworfen, „Frauen und Kinder zu schlachten“. Der Papst verließ nach dieser nicht geplanten Wortmeldung das Konferenzzentrum, den Empfang ließ er ausfallen.

          Beide Auftritte wirkten noch am Dienstagvormittag nach, dessen Programm dem interreligiösen Dialog gewidmet war. Während seines Besuchs im Chefrabbinat im jüdischen Teil der Altstadt nannte dessen Generaldirektor Oded Wiener Tamimis Auftritt als Beispiel dafür, wie schwierig das Gespräch unter den Religionsvertretern ist, für das der Papst auf seiner Reise unermüdlich wirbt. Der in Schwarz gekleidete aschkenasische Rabbiner Jona Metzger lobte den Gast aus Rom, dass er Bischof Williamson, der den Holocaust geleugnet hatte, in die Schranken gewiesen habe. Das sei ein wichtiges Signal an andere Leugner des Judenmordes.

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