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Benedikt XVI. : Die Pilgerreise

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Ankunft in Amman: Der Papst wird von einem jordanischen Offiziellen begrüßt Bild: dpa

Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass es Leute gibt, die nur auf einen Fauxpas von Benedikt XVI. warten. Doch wer seine Reise in das Heilige Land zum weltlichen Test für einen geistlichen Führer stilisiert, ist weder dem Papst noch der Kirche wohlgesonnen.

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          Wegen ihrer religionspolitischen und weltlich-politischen Begleitumstände droht gänzlich in Vergessenheit zu geraten, dass der Papst seine Reise in das Heilige Land - vulgo: in die Kernregion des Nahost-Konfliktes - als eine „Pilgerreise“ bezeichnet hat.

          Dieses persönliche Motiv darf man bei einem Theologen, der sich als Autor seit Jahren intensiv mit Leben und Werk Jesu beschäftigt, durchaus ernstnehmen. Und als Oberhaupt der katholischen Kirche hat Benedikt XVI. allen Grund, die vielfach bedrängten Christen im Orient in ihrem Glauben zu stärken, ihnen mit seiner Präsenz Trost zu spenden und Hoffnung zu geben.

          Aber ein Papst gehört kraft seines Amtes, wie man in Anlehnung an die Lehre von den „Zwei Körpern des Königs“ im Mittelalter formulieren könnte, zwei Sphären an: In der einen geht es um Glaubenswahrheiten und die letzten Dinge, in der anderen um Vorletztes, also nicht zuletzt um Politik. In vergangenen Jahrhunderten gab es Päpste, die von Theologie wenig verstanden, aber große Politiker oder gelehrige Schüler Machiavellis waren.

          Ankunft in Amman: Benedikt XVI. mit König Abdullah und Geistlichen

          Der Theologe Joseph Ratzinger brilliert in der ersten Sphäre und hat keinen religiösen Dialog oder intellektuellen Disput zu fürchten. In der anderen Sphäre dagegen, in der es um rhetorische Feinheiten und diplomatische Finessen geht, hat er manchmal Ungeschick an den Tag gelegt. Dieser Sphäre aber entstammt die Aufmerksamkeit, die seine Reise auf sich zieht. Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass es Leute gibt, die geradezu darauf warten, dass der deutsche Papst in Israel oder gegenüber den Muslimen einen faux pas begeht.

          Kein politischer Test für einen geistlichen Führer

          Dabei steht außer Frage, dass gerade dieser Papst für den jüdisch-christlichen Dialog theologisch Wichtiges geleistet hat. Der Verdacht, mit seiner Rücknahme der Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft habe er antisemitischen Unterströmungen nachgegeben, kam deshalb auch mehr von weltlicher Seite als von Partnern im innerreligiösen Dialog.

          Und im politischen Feld Nahost-Konflikt sind soviele Minen vergraben, dass Benedikt es im Grunde niemanden recht machen kann: Für die einen wird er zuviel Politisches sagen, für die anderen zu wenig und zu Undeutliches. Wer diese Reise zum weltlichen Test für einen geistlichen Führer stilisiert, ist weder dem Papst noch der Kirche wohlgesonnen.

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