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Benedikt XVI. : Der neue Papst ist kein Populist

  • -Aktualisiert am

Nach einem turbulenten Pontifikat etwas mehr Ruhe: Papst Benedikt XVI Bild: REUTERS

Nie hatte er Werbung in eigener Sache betrieben. Er war der getreue theologische Helfer Johannes Pauls II., und das reichte ihm völlig. Doch dann kam - eine Überraschung? Wie Joseph Ratzinger Benedikt XVI. wurde.

          6 Min.

          Bei einem Spaziergang vor dem Konklave sprach er dieser Tage von seinem Lieblings-Papstnamen. "Benedikt" würde ihm gefallen, sagte Ratzinger. Das klinge gut - im Deutschen und erst recht im Italienischen, "Benedetto" nämlich. Und auf das lateinische "Benedictus" seien so viele wunderbare Melodien der Messen komponiert worden. Vom heiligen Benedikt ganz zu schweigen, dem Vater des abendländischen Mönchtums vor eineinhalb Jahrtausenden, fügte er hinzu. Auch theologisch sei der Name schön zu deuten.

          Denn den Segen Gottes erflehen müsse wohl jeder, der im Konklave nach Anrufung des Heiligen Geistes von den Kardinälen gewählt worden sei. Ein neuer Papst mit Namen Benedikt sei dann wohl der 16. dieses Namens, so Ratzinger, nachdem der letzte, Benedikt XV. im Januar 1922 gestorben sei. Außerdem wäre ein Benedikt - bei allem Respekt - eine Abwechslung nach all den Päpsten, die Johannes, Paul oder Johannes Paul geheißen hatten, und nach den vielen Päpsten namens Pius im 19. und 20. Jahrhundert. Ein Benedikt XVI., der würde ihm gefallen.

          Getreuer theologische Helfer Johannes Pauls II.

          Aber Joseph Kardinal Ratzinger sprach nicht von sich. Er sprach nicht davon, welchen Namen er sich geben würde. Der Dekan des Kardinalskollegiums, des obersten Leitungsgremiums der katholischen Kirche, das seit dem Tod von Papst Johannes Paul II. verpflichtet ist, einen neuen Papst zu wählen, hatte sich nie als Nachfolger für den großen Papst aus Polen gesehen. Nie hatte er Werbung in eigener Sache getrieben.

          Er war der getreue theologische Helfer Johannes Pauls II., und das reichte ihm völlig. Er hatte genug damit zu tun, bei der enormen Arbeitsbelastung als Präfekt der Glaubenskongregation (seit 1981/82) mit seiner Gesundheit ins reine zu kommen. Und auf die private Pflege der Theologie, die Weiterbildung und Vertiefung in der Glaubenswissenschaft konnte und wollte er in den knappen freien Stunden nicht verzichten.

          Genüßliches Studieren in Regensburg gestrichen

          Als Autor zahlreicher theologischer Bücher war er nicht ohne Ehrgeiz. Er freute sich, wenn andere daraus geistlichen und intellektuellen Gewinn zogen. Sich ganz seiner geliebten Theologie widmen zu können, war sein Wunsch für die späteren Jahre, nachdem ihn die kirchenrechtliche Vorschrift über die Altersgrenze von 75 Jahren von seinem Kurienamt entbunden hätte. Zuerst hatte er an genüßliches Studieren im heimatlichen Regensburg gedacht.

          Dann empfahl sich Rom immer mehr als Altersruhesitz. Doch Johannes Paul II. wollte und konnte nicht auf den deutschen Kardinal verzichten. Dem Heiligen Vater, der selbst über alle vernünftigen Kraftanstrengungen hinaus im Amt blieb, war Ratzinger in Verehrung und Freundschaft zugetan, auch wenn dem zuweilen ein mildes Hinnehmen des päpstlichen Aktivismus beigemengt war, dieses ihm ganz fremden Äußerungsdrangs Johannes Pauls II. So blieb Ratzinger an der Spitze des vatikanischen Verfassungsministeriums, der mit vielerlei Assoziationen verbundenen "Kongregation für die Glaubenslehre".

          Stets gewachsene Autorität

          Je älter Joseph Ratzinger, je gebrechlicher Johannes Paul II. wurde, desto kräftiger wuchs die Autorität des deutschen Kardinals, der seit November 2002 auch das Kardinalskollegium leitete. Sie wuchs so sehr, daß sofort zu Beginn der Kardinals-Zusammenkünfte nach Tod und Bestattung Johannes Pauls II. eine große Gruppe von Kardinälen wußte, das Joseph Ratzinger der Nachfolger werden würde.

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