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Klimapaket der Bundesregierung : Viel Zucker, keine Peitsche

Kohlekraft gegen Grün: Wissenschaftler kritisieren, dass die Politik gegen den Kohlendioxidausstoß zu wenig tut. Bild: dpa

Wissenschaftler sagen: Im Kampf gegen die Erderwärmung hat Berlin zu viel versprochen und den Menschen zu wenig abgefordert. Was die Klimabeschlüsse wirklich taugen.

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          „Unite behind science!“ – Folgt der Wissenschaft! Es ist ein Satz von Greta Thunberg, die Bundeskanzlerin hat ihn am Freitag zitiert, als sie das Klimaschutzprogramm vorstellte, mit dem die große Koalition Deutschland zum Vorkämpfer gegen die Erwärmung des Planeten machen will. Am Ende soll erreicht werden, was der Weltklimarat verlangt: den Anstieg der Temperatur durch den Ausstoß von Kohlendioxid auf nicht viel mehr als anderthalb Grad begrenzen. Das könnte das Schlimmste verhindern, sagen die Fachleute, und Deutschland ist hier besonders in der Pflicht. Mit nur ein Prozent an der Weltbevölkerung produziert es zwei Prozent des Kohlendioxidausstoßes. Seht, unsere Politik hört auf die Wissenschaft – das war am Freitag die Botschaft der Physikerin Angela Merkel.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nur: Die Wissenschaft sieht das anders. Gleich nachdem die Kanzlerin Thunberg zitiert hatte, haben drei führende Fachleute das Programm bewertet. Keiner sagte, was hier auf dem Tisch liege, verdiene eine Eins oder eine Zwei, es sei also „gut“ oder gar „sehr gut“. Auch kein „Befriedigend“ wurde vergeben. Manfred Fischedick vom Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie ging auf der Skala sogar noch weiter nach unten: nicht einmal ein „Ausreichend“ will er dem Klimaprogramm zugestehen, nicht einmal eine Vier. „Bei weitem nicht“, sagt er.

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