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Bedrohung durch Dschihadisten : Gelangen IS-Terroristen über die Türkei in die EU?

Illegale Flüchtlinge auf einem überfüllten Fischkutter werden von der türkischen Küstenwache in den Hafen von Mersin begleitet. Bild: Picture-Alliance

Der Hafen der südtürkischen Stadt Mersin ist Ausgangspunkt für tausende Flüchtlinge aus Syrien auf ihrem Weg nach Westeuropa. Es gibt starke Anzeichen dafür, dass von dort auch als Flüchtlinge getarnte IS-Terroristen in die EU kommen - mit Hilfe von Schleuserbanden.

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          Über den Hafen der südtürkischen Stadt Mersin, die als ein Zentrum des Menschenschmuggels gilt, gelangen womöglich auch Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS) in die EU. Dies bestätigte der Vorsitzende der türkischen Regierungspartei AKP in der Provinz Mersin, Ismail Taspinar, in einem Gespräch mit der F.A.Z.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          In Mersin halten sich nach offiziellen Angaben etwa 110.000 Flüchtlinge aus Syrien auf. Die europäische Grenzschutzagentur Frontex bezeichnet Mersin als wichtige Basis der Menschenschmugglerbanden, die Flüchtlinge mit von der Crew verlassenen „Geisterschiffen“ auf Italiens Küste zutreiben lassen.

          Der AKP-Politiker Taspinar berichtet von einem brutalen Mord an einem Flüchtling in Mersin, verübt von einem Anhänger des syrischen Diktators Assad. „Es gibt auch Assads Soldaten unter den Syrern, die in die Türkei kommen. Sie kommen als Zivilisten... Und sie verüben solche Morde.“

          Auf die Frage, ob nicht auch IS-Kämpfer in die Türkei einsickern, wenn dies Soldaten Assads gelänge, antwortete der Politiker: „Wir können nicht sicher sein. Wenn jemand einen syrischen Pass vorzeigt, kann die Türkei ihn nicht zurückweisen. Wir müssen sie hereinlassen.“

          Nur wenn es gesicherte Erkenntnisse einer Zugehörigkeit zum IS gebe, werde die Einreise verweigert oder der Verdächtige der Polizei übergeben.

          Taspinar wies auf die Belastung der Türkei hin, die fast zwei Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen habe, von der Staatengemeinschaft aber keine Unterstützung erhalte.

          Wenn syrische Flüchtlinge „von hier fortzugehen wünschen“, könne es daher sein, „dass der Staat sie übersieht“, sagte er in einem „persönlichen Kommentar“ zu den Feststellungen von Frontex über die Rolle Mersins bei dem Schmuggel von Menschen über das Mittelmeer.

          Zu den Vermutungen von Menschenrechtlern, der türkische Geheimdienst müsse von der Bandentätigkeit Kenntnis haben, sagt der Politiker: „Ich finde das auch nachvollziehbar, aber ich habe keinerlei Informationen darüber, was der Geheimdienst diesbezüglich weiß. Wenn aber eine Person sagt, solche Dinge könnten nicht geschehen, ohne dass der Geheimdienst davon wisse, dann ergibt das auch für mich Sinn.“

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