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Bedford-Strohm rügt Salvini : Verspielte Autorität?

Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), steht im Hafen der sizilianischen Stadt Licata. Bild: dpa

Der EKD-Ratspräsident hat Salvinis Flüchtlingspolitik in Palermo deutlich kritisiert. Doch die Erinnerung eines Kirchenmannes an die Pflichten nicht nur eines jeden Christenmenschen ist eigentlich Autorität genug. Die kann man freilich auch verspielen.

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          Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof hat aus dem fernen Palermo eine Erneuerung der politischen Kultur in Deutschland angemahnt. Es könne nicht sein, so Heinrich Bedford-Strohm, dass „Politiker der Abfallkübel der Nation sind“.

          Das darf in der Tat nicht sein. Und hier mag man auch, anders als beim rührigen Engagement der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen, einen kirchlichen Auftrag erkennen: Wie behandeln wir den Nächsten?

          Das gilt auch für die Flüchtlingspolitik, von der sich der EKD-Ratsvorsitzende am Mittelmeer selbst ein Bild gemacht hat. An der Politik des italienischen Innenministers Salvini gibt es viel zu kritisieren. Menschenrettung muss sein.

          Doch bleibt die Frage, ob man an eine demokratisch gewählte Regierung – ob sie in Berlin sitzt oder in Rom – konkrete Ratschläge, gar Forderungen richten sollte. Die Erinnerung eines Kirchenmannes an die Pflichten nicht nur eines jeden Christenmenschen sollte Autorität genug sein. Die kann man freilich auch verspielen.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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