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Bayern : Warten auf Guttenberg

  • -Aktualisiert am

Karl-Theodor zu Guttenberg, nun mit Bart und neuer Brille Bild: dpa

In Bayern beginnt der politische Sommer wie jedes Jahr: mit dem Warten auf Karl-Theodor zu Guttenberg. Ehrfürchtig wird geraunt und spekuliert.

          In Bayern hat der politische Sommer begonnen – und mit ihm, wie jedes Jahr, das Warten auf Karl-Theodor zu Guttenberg. Wieder einmal wird ehrfürchtig geraunt, Horst Seehofer werde als Höhepunkt seiner Ferien sich in seinen Haus im Altmühltal mit Karl-Theodor zu Guttenberg treffen. Wie jedes Jahr sind damit herrliche Spekulationen verbunden, was alles aus einer solchen Zusammenkunft folgen könnte: Die Rückkehr des verlorenen Sohnes der CSU aus seinem amerikanischen Exil, eine Bundestagskandidatur 2017, ja, manche sehen schon wieder das Kanzleramt in Münchner Greifnähe gerückt. Und wie jedes Jahr wird rekapituliert, wann und wo Guttenberg zuletzt in Bayern gesehen wurde.

          Es gab Zeiten, in denen Bayern die Schotten beneidet haben. Weil die Schotten beim Streben nach Unabhängigkeit ein wenig mutiger als die Bayern waren, die sich nur heimlich trauten, Separatistenträumen wie denen eines Wilfried Scharnagl nachzuhängen. Weil vor einigen Jahren Männerbeine in Schottenröcken als hipper galten als in kurzen bayerischen Lederhosen. Weil Dudelsäcke es mühelos in Hardrock- und Punkbands schafften, während Alphörner als Kuriosum im Musikantenstadl zu verenden drohten.

          Lange konnten die Bayern auch dem Ungeheuer von Loch Ness – im Familienkreis als Nessie bekannt und beliebt – als Sommerereignis wenig entgegensetzen. Die Entdeckung des einen oder anderen Wolpertinger konnte die Weltpresse nicht anlocken. Das hat sich radikal gewandelt, seit regelmäßig die Sichtung Guttenbergs – oder die Erwartung einer solchen – vermeldet werden kann. Wer Guttie, das bayerische Fabelwesen, hat, muss dem Nessie nicht nachtrauern. Im Altmühltal soll schon ein Gerangel unter den Guttie-Jägern um die besten Beobachtungsplätze ausgebrochen sein. Grund zur Eifersucht zwischen Schotten und Bayern, zwischen Nessologen und Guttologen, besteht aber nicht.

          Nessie und Gutti sind enge Verwandte, sehr enge Verwandte. Für die Jakobiten ist der Wittelsbacher Herzog Franz von Bayern als Nachfahre der Stuarts legitimer König von England, Schottland, Irland und Frankreich – Francis II. lautet seine korrekte dynastische Reihung. Damit muss nicht lange darum gestritten werden, welches von beiden Gottesgeschöpfen die schöneren Sommerwellen im Medientümpel schlägt – Nessie oder Guttie: Es ist in jedem Fall ein bayerisches Fabelwesen.

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