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Bautzen : Flüchtlinge und Einheimische geraten aneinander

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge und Asylbewerber in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auf dem Kornmarkt in Bautzen Bild: dpa

In Bautzen sind in der Nacht Einheimische und Flüchtlinge erneut aneinandergeraten. Als die Polizei die beiden Gruppen trennen wollte, wurde auch sie von einer Seite angegriffen.

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          In der sächsischen Stadt Bautzen ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen gekommen. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, standen sich am Mittwochabend auf einem Platz rund 80 gewaltbereite Männer und Frauen – zum Großteil aus dem politisch rechten Spektrum – sowie 20 junge Asylbewerber gegenüber. Zwischen beiden Lagern kam es zu verbalen und tätlichen Übergriffen. Die Einheimischen skandierten Parolen, wonach Bautzen und der Kornmarkt den Deutschen gehören würde. Ihnen gegenüber stand eine Gruppe von etwa 20 jungen Asylbewerbern. Es seien Flaschen geworfen worden, berichteten Zeugen.

          Ein Großaufgebot von rund 100 Polizisten trennte die Gruppen und forderte sie auf, den Platz zu verlassen. Aus der Reihe der Asylsuchenden wurden die Beamten den Angaben zufolge unter anderem mit Flaschen und Holzlatten beworfen. Die Beamten setzten Pfefferspray und Stöcke ein. Die Asylbewerber verließen daraufhin den Kornmarkt und zogen durch die Innenstadt in Richtung der Friedensbrücke. Die Einheimischen teilten sich auf und folgten ihnen. Die Polizei versuchte, die beiden Gruppen voneinander getrennt zu halten. Dafür wurden auch Einsatzkräfte der Bundespolizei sowie Polizisten aus Dresden, Leipzig und Zwickau angefordert.

          Beide Gruppen zogen über die Friedensbrücke zu einer Asylbewerberunterkunft an der Dresdener Straße, wo die Asylbewerber in das Gebäude flüchteten. Die Polizei sicherte die Unterkunft und forderte deren Bewohner auf, diese nicht zu verlassen, um Übergriffe zu verhindern. Gleichzeitig positionierten sich die Beamten auch vor den drei weiteren Asylbewerberunterkünften in Bautzen und Niedergurig.

          Rettungswagen blockiert

          In der Unterkunft an der Dresdner Straße befand sich auch ein 18-jähriger Marokkaner mit Schnittverletzungen an den Armen. Woher diese stammten, ist bisher noch nicht geklärt. Die Polizei forderte einen Rettungswagen an, um den Verletzten in Krankenhaus zu bringen. Doch mehrere Männer aus dem rechten politischen Spektrum blockierten den Rettungswagen an der Friedensbrücke und bewarfen ihn mit Steinen. Die Sanitäter beendeten daraufhin den Einsatz. Erst nach einer zweiten Alarmierung erreichte ein Rettungswagen unter Polizeischutz die Asylbewerberunterkunft.

          Später wurde bekannt, dass sich ein 20-jähriger libyscher Staatsbürger mit einer Bierflasche selbst am Kopf verletzt haben soll. Die Polizei hat sich dazu bisher nicht geäußert. Im Verlauf der Nacht verließen die Einheimischen nach und nach die Asylbewerberunterkunft. Zu weiteren Auseinandersetzungen kam es nach derzeitigem Kenntnisstand nicht. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung.

          Der Oberbürgermeister von Bautzen, Alexander Ahrens, äußerte sich auf Facebook zu den jüngsten Ausschreitungen. Er verurteilte die wachsende Gewalt auf dem Kornmarkt und erklärte, er habe die Stadtverwaltung bereits angewiesen, Präventivmaßnahmen und eine verstärkte Polizeipräsenz am Kornmarkt zu prüfen.

          Der Oberbürgermeister bat die Bürger von Bautzen außerdem, die Kriminalpolizei bei der Aufklärung des Vorfalls vom Dienstagabend zu unterstützen. Ein 32 Jahre alter Bautzener war von einem Flüchtling durch einen Flaschenwurf verletzt worden. In Bautzen war es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Konflikten gekommen. Im Februar hatten betrunkene Schaulustige bei einem vorsätzlich gelegten Feuer in einer künftigen Flüchtlingsunterkunft mit unverhohlener Freude zugesehen, einige behinderten die Löscharbeiten.

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