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Assads Offensive gegen den IS : Nächstes Ziel Raqqa

  • Aktualisiert am

Syrische Regierungskräfte vor gepanzerten Fahrzeugen am Sonntag in den antiken Ruinen von Palmyra. Bild: AFP

Der „Islamische Staat“ muss Palmyra aufgeben. Syrische Truppem sollen der Terrormiliz nachsetzen. Das nächste Ziel von Staatspräsident Assad könnte ambitionierter nicht sein.

          Nach ihrem bislang größten Sieg gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in der historischen Oasenstadt Palmyra nimmt das syrische Regime die Hochburg Raqqa ins Visier. Die mit Unterstützung durch russische Luftangriffe nach zehn Monaten von den selbsternannten Gotteskriegern zurückeroberte Stadt werde als Ausgangsbasis für Militäroperationen vor allem gegen die vom IS kontrollierten Städte Deir al Zor und Raqqa dienen, verkündete die Armeeführung am Wochenende. Letztere gilt – neben Mossul im Irak – als inoffizielle Hauptstadt des IS. Palmyra hat als Welterbestätte immense symbolische Bedeutung. Für den IS bedeutet der Verlust der Stadt einen schweren Schlag. Der syrische Präsident Baschar al Assad sah die Rückeroberung als Beleg für den Erfolg seiner Strategie im Kampf gegen den Terror, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete.

          Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Sonntag, einen Tag nach der Einnahme Palmyras und der weltberühmten Unesco-Weltkulturerbestätte seien nordöstlich der Stadt noch Kampfgeräusche zu hören gewesen. Regierungseinheiten seien in der ehemaligen Handelsstadt in der zentralsyrischen Wüste mit der Entschärfung von Minen beschäftigt.

          In den vergangenen Tagen waren die Regierungseinheiten auf Palmyra vorgerückt. Die zentralsyrische Stadt gehört wegen ihrer einzigartigen Bauwerke aus den ersten Jahrhunderten nach Christus zum Unesco-Weltkulturerbe. Der IS hatte die Stadt im Mai 2015 von der syrischen Armee eingenommen. Seitdem sprengten die Dschihadisten den rund 2000 Jahre alten Baal-Tempel, den Baal-Schamin-Tempel sowie mehrere einzigartige Turmgräber, den Triumphbogen und einen Teil der berühmten Säulenstraße. Allerdings waren die Zerstörungen durch den IS in den Monaten der Besatzung weitaus geringer ausgefallen als befürchtet.

          Die syrische Regierung will die zerstörten Teile der Stätte rekonstruieren. Der Direktor der für Altertümer zuständigen Behörde, Maamoun Abdulkarim, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Montag am Telefon: „Das Ausmaß der Zerstörung ist deutlich geringer als befürchtet.“ Nach den Bildern, die er aus der Stadt bekomme, seien achtzig Prozent der antiken Gebäude durch den IS nicht zerstört worden. Auch die berühmte Löwenstatue könne man wieder herrichten.  „Für die Restauration des römischen Torbogens werden wir ein bis zwei Jahre brauchen“, sagt er. Bei den Tempeln sei das schwieriger. Dort könne man schlechter auf die Trümmerteile zurückgreifen. Doch als „Botschaft gegen den Terrorismus“, wolle er auch diese Gebäude anhand alter Aufnahmen rekonstruieren lassen – in enger Abstimmung mit der Unesco. „Es ist ein glücklicher Tag – nicht nur für die syrische Regierung, auch für die Opposition. Für die ganze Welt.“, so Abdulkarim.

          Der Direktor des Vorderasiatischen Museums Berlin, Markus Hilgert, mahnte „Fingerspitzengefühl“ beim Wiederaufbau an. Es gehe um die Frage: „Wie machen wir das, so dass die Integrität der Welterbestätte Palmyra nicht beschädigt wird?“, sagte er. Bei einer Rekonstruktion gehe es auch immer um die Frage, inwiefern die Voraussetzungen für eine Welterbestätte dann noch vorhanden seien. „Man darf es nicht übertreiben“. Das weltbekannte Kunstmuseum Eremitage im russischen St. Petersburg bot seine Hilfe bei der Restaurierung der Kunstschätze an.

          Russland hatte die syrische Armee nach eigenen Angaben bei der Rückeroberung von Palmyra mit Dutzenden Luftangriffen unterstützt. Bei 40 Einsätzen hätten Kampfjets rund 120 Stützpunkte bombardiert, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau über Twitter mit. Dabei seien innerhalb von 24 Stunden etwa 80 Terroristen getötet sowie Munitionsdepots, Panzer und großkalibrige Geschütze zerstört worden.

          Kremlchef Wladimir Putin gratulierte Assad bei einem Telefonat zur Rückeroberung von Palmyra. Ungeachtet des Teilabzugs des russischen Militärs aus Syrien werde Moskau der Regierung in Damaskus weiterhin im Kampf gegen Terroristen helfen, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Auch Iran gratulierte seinem engen Verbündeten.

          Die Vereinigten Staaten haben die Vertreibung des IS aus der antiken Wüstenstadt ebenfalls begrüßt. Allerdings sei es noch zu früh, um Auswirkungen auf die Friedensgespräche abschätzen zu können, teilte das  amerikanische Außenministerium am Montag mit.

          Der IS war in seinem „Kalifat“ in Syrien und im Irak in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck geraten. Syriens Armee hatte ihre Offensive Anfang März mit Unterstützung durch russische Luftangriffe gestartet. Nach Angaben der Menschenrechtler wurden dabei insgesamt 400 IS-Kämpfer und 180 Regierungseinheiten getötet.

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